///Perfektion***
<p class="h2"> gemeinsame reise </p>

 

 Eva Sonnenflügel und Moonlight Mondflügel werden auf ihrem Flug in den Süden von Moonlights Mutter Bella bedroht, die von der Göttin Selene gefangen gehalten wird. Kurz darauf treffen sie auf Carina, die von Solaria höchstpersönlich aus dem Dschungel hergeschickt wurde. Aber Selene lässt nicht lange auf sich warten und hetzt den Freunden einen Verräter auf den Hals. Carina kann dem Charme des rothaarigen Casanovas nicht wiederstehen und wird direkt in die Falle gelockt...

 

 

-1-

Neue Freunde

Moonlight Mondflügel und Eva Sonnenflügel flogen gemeinsam Richtung Süden. Es war etwa Mitte der Nacht und die beiden waren schon ziemlich lange und weit geflogen. Moonlight war ein Stück kleiner als Eva. Wahrscheinlich lag das daran, dass Eva zwei Jahre älter war! „Können wir mal eine Pause einlegen?“, fragte Moonlight das Weibchen mit dem hellgelben Fell. Mit ihren kleinen Flügeln musste sie fast doppelt so viele Male schlagen wie Eva. „Was, du kannst schon nicht mehr?“, spottete Eva, flog aber langsamer, um nach einem Baum Ausschau zu halten. Erleichtert ließen sie sich darauf nieder. „Wieso fliegen eigentlich gerade wir zwei zusammen?“, gab sich das Mondflügelweibchen nach einer Weile zu bemerken.

„Ganz einfach“, gab Eva mit leicht zickigem Unterton in der Stimme zurück. „Weil wir beide aus der Kolonie ausgestoßen wurden und beide den Winter überleben möchten.“ Sie streckte den Flügel aus und sah seufzend auf den Ring darauf. „Auch, wenn du mir nicht sagen willst, weshalb sie dich vertrieben haben.“ Moonlight biss sich auf die Lippe. Gern hatte sie keine Geheimnisse vor der Sonnenflügelin, schließlich waren sie Freunde. Doch sie wollte das Geheimnis auf alle Fälle mit ins Grab nehmen! „Wir sollten uns einen Schlafplatz suchen“, gab Eva zu bedenken. Moonlight war dankbar über den Themenwechsel. Sie flog neben ihr her durch den Wald. Sie fanden ein Astloch, groß genug, um beide aufzunehmen. Die Fledermäuse zwängten sich hinein und schliefen bald ein.

Moonlight schreckte hoch. Irgendetwas hatte sie geweckt! Es war bereits wieder dunkel draußen. Oder war es noch dunkel?!? Sie schaute sich um und entdecke Eva neben sich schlummern. Sie sah süß aus, wie sie da so hing! Leise schlich sich die Mondflügelin aus dem Baum und machte sich auf Nahrungssuche. Inzwischen war Eva aufgewacht und schaute sich um. „Moonlight? Wo bist du?“, rief sie. Keine Antwort! Seufzend richtete sich das Weibchen auf und flog aus dem Baum hinaus. Moonlight hatte schon immer gern Verstecken gespielt!

Sie segelte durch die Nacht. „Moony? Moony!“ Vor sich sah sie Moonlight, wie sie ein paar Bärenspinnern nachjagte. Sie lächelte. Moony war eine ganz gute Jägerin. Eva wollte gerade wieder zurückfliegen, als sie plötzlich ein Knacken hörte. Woher kam das? Von Boden? Aus den Blättern? Undefinierbar. Sie warf Klang auf die nähere Umgebung. Was war dort? Das Echosehen lieferte ihr nur ein verschwommenes Bild, so schnell bewegte sich das Wesen. Mit den Augen konnte sie auch nur einen Schatten wahrnehmen. Doch eins war sicher: Es war groß. Und es konnte fliegen. Und es flog direkt auf Moonlight zu! Der nächste Klangblitz lieferte Eva ein Bild von Zähnen…sehr großen Zähnen…und von Krallen, auch nicht gerade klein…Genau genommen wirkte das Wesen mit seinen ledrigen Flügeln wie…ja, wie eine Fledermaus! „Moonlight, Vorsicht!“, schrie Eva. Sie raste auf sie zu, doch da hielt das Wesen die Mondflügelin schon in den Klauen.

Auf einmal verschwand der Vampyrum mit Moonlight und Eva hörte ein Kichern. „Moony! Wo bist du?“, rief der Sonnenflügel halb ängstlich, halb sauer. Da tauchte Moonlight auf. „Super Echoprojektion von mir, nicht wahr?“, immer noch grinsend schaute Sie Eva an. „Wo hast du den das gelernt?“, verwundert starrte Eva Moony an, „Ich wusste ja gar nicht, dass du das kannst!“ „Jetzt weißt du's!“, sie machte eine Pause, „Ich...ich habe es von meiner Mutter gelernt!“ Eva merkte, dass Moony traurig war und nahm sie in den Flügel. Eine Weile blieben sie reglos in der Luft schweben. Schließlich brach Moonlight die Stille: „Es war eine dunkel Septembernacht und ich war alleine mit meiner Mutter unterwegs...“


-2-

Moony Geheimnis

Eva hörte der Mondflügelin gespannt zu. Diese machte eine Pause und fuhr fort, es schien ihr wirklich schwer zu fallen, die Erinnerung mit der Freundin zu teilen. Doch sie überwand sich. „Du weißt ja, dass wir Mondflügel nicht die Göttin der Nacht verehren, Nocturna, sondern die Mondgöttin Selene.“ Eva nickte. „Sonnenflügel verehren auch die Sonnengöttin Solaria.“ Moony erzählte weiter. „Selene ist nicht wie Nocturna und Solaria, sie kommt eher Cama Zotz gleich. Sie verlangt Opfer, in jeder Vollmondnacht. Und zwar jemanden aus unserer Kolonie. Ja, sieh mich nicht so an, es ist nicht meine Schuld! Einmal im Monat wird ein Mondflügel geopfert. Nun war in dieser Nacht, von der ich erzählt habe, gerade Vollmond, die Priester waren auf der Suche nach jemand Geeignetem. Ich wusste das, machte mir aber keine Gedanken. Plötzlich aber kreuzten sie unseren Weg…die Priester. Es war furchtbar, sie packten meine Mutter. Natürlich wusste ich, was das zu bedeuten hatte. Mich ließen sie einfach zurück. Es war früher Abend, die Zeremonie sollte um Punkt Mitternacht stattfinden. Ich hatte einige Stunden Zeit zum Überlegen, und während ich da so hing, kam mir ein irrer Plan in den Sinn, wie ich meiner Mutter helfen könnte…“ Eva beobachtete sie. Moony sah aus, als würde sie alle ihren Mut zusammensammeln, dann sprach sie weiter.

„Ich habe versucht, sie mit Hilfe einer Echoprojektion zu retten! Ich habe es von ihr gelernt! Sie war bekannt dafür! Ich wollte eine Selene erstellen. Eine, auf die die Wächter hören mussten! Zuerst schien alles glatt zu laufen, doch dann entdeckten sie mich. Dann wusste ich nichts mehr! Ich glaube, sie haben mich niedergeschlagen, aber wieso sie mich nicht töteten, weiß ich nicht! Vielleicht wegen meines Ringes!“ Seufzend sah Moonlight auf ihren Ring hinunter.

Eva hörte ihr gebannt zu – bis sie zur Stelle mit dem Ring kam. Der Sonnenflügelin klappte die Kinnlade runter. Gebannt starrte sie auf Moonlights linken Flügel. „Du…du hast auch so ein Ding? Warum ist mir das nie aufgefallen?“ Es wurde ihr allerdings bald klar: Moonlights Fell hatte fast exakt dieselbe Farbe wie das Metall. Silbern. Kein Kontrast, wie bei ihr selbst. „Warum hast du mir das nie gesagt?“ „Ich wusste nicht, wie du reagieren würdest“, kam es schüchtern von Moonlight. „Wovor hattest du denn Angst? Na, jedenfalls, erzähl mal weiter.“ Moonlight holte tief Luft und fuhr mit ihrer Erzählung fort: „Sie haben mir zwar nichts getan, wie sie es bei jedem anderen getan hätten, aber mich weggejagt. Ich konnte nichts mehr tun, meine Mutter…“ Sie brach ab. Eva nahm die Mondflügelin wortlos in den Arm. Ihre Freundin weinte leise und war in ihre Gedanken vertieft, auch Eva achtete nicht auf ihre Umgebung. So überhörten beide den Chor zur Morgendämmerung, ebenso, wie sie den Wutschrei einer Eule überhörten. Sie schoss auf die beiden Freundinnen zu. Buchstäblich in allerletzter Sekunde bemerkte Eva den Angreifer. „Runter!!“ Sie stieß ihre Freundin vom Ast. Mit einem Aufschrei breitete Moonlight die Flügel aus, um ihren Sturz abzufangen. „Sag mal, bist du noch ganz…“ Doch weiter kam sie nicht. Mit einem fast schon ohrenbetäubenden Kreischen flog die Eule erneut heran, wieder konnte Moonlight sich im letzten Augenblick wegducken. Sie flatterte so stark mit den Flügeln, wie sie nur konnte, und brachte sich zwischen den Bäumen in Sicherheit. Sie warf ein Klangnetz über ihre nähere Umgebung. Die Äste standen allesamt zu dicht beieinander, als dass etwas Größeres als eine Fledermaus sie bis hierher hätte verfolgen können. Tief Luft holend zwängte sie sich in ein Astloch. Von dort aus konnte sie zwar nach draußen sehen, selbst aber nicht erkannt werden. So genau sie auch mit Augen und Klang den Wald da draußen absuchte, sie konnte die Eule glücklicherweise nirgends mehr erkennen. Leider auch nicht die Sonnenflügelin. Moonlight beschloss gerade, noch ein paar Minuten zu warten und sie dann zu suchen, doch kaum hatte sie diesen Gedanken zu Ende gedacht, zerriss ein gellender Schrei die Stille. Moonlight kannte die Stimme nur zu gut. Wo war Eva?


-3-

Die Erscheinung

Zitternd presste sich Moonlight ein paar Sekunden gegen den Stamm des Baumes. Als sie sich einigermaßen beruhigt hatte, spannte sie ein unsichtbares Netz aus Klängen über sich und machte sich auf die Suche nach Eva. Sie hörte abermals einen Schrei. Er stammte aber nicht von Eva, sondern von einer Eule. Erschrocken blickte Moony sich um. Gleich auf einem Baum neben ihr hockte eine Eule. Und wen hielt sie im Schnabel? Eva! Moonlight erschrak zum zweiten Mal. Sie beschloss, ein Echobild von einem Vampyrum zu singen. Quietschend fuhr die Eule auf, als sie eine riesige Fledermaus auf sich zukommen sah. Den kleinen Sonnenflügel ließ sie fallen und ergriff die Flucht. Moonlight blieb unbemerkt.

Schnell eilte Moonlight zu der Sonnenflügelin.

Eva lag auf einem Ast. Ihr Flügel war seltsam verkrümmt. Moonlight hörte sie schon aus einiger Entfernung leise wimmern. „Eva!“ Sie schoss auf ihre Freundin zu. „Alles klar bei dir?“ „Seh ich vielleicht so aus?“, stöhnte sie. „Nun…nein…nicht gerade…“ Die Mondflügelin half ihr, sich aufzurichten. „Kannst du fliegen?“ Die Sonnenflügelin nickte. „Klar, wird schon gehen. Es muss ja.“ Doch als sie die Flügel ausbreitete, um sich vom Ast abzustoßen, sank sie fast lautlos jammernd wieder zurück. „Vielleicht aber auch nicht…“ „Er ist doch nicht gebrochen, oder?“, fragte Moonlight mit einem Blick auf den Flügel. „Ich glaube…Vorsicht!“ Eva warf sich gegen ihre Freundin. Die beiden fielen vom Ast. Moonlight fühlte, wie die Krallen der Eule haarscharf über ihren Kopf hinwegzischten. Die beiden landeten weich in einem Laubbett. Hektisch sah die Mondflügelin sich um. Ihr Klangsehen erfasste die Eule. Sie hatte die Bewegung gesehen und machte sich bereit, die Fledermäuse erneut anzugreifen. Schnell spannte Moonlight ein unsichtbares Netz über sich und Eva und schleppte sie, so gut es ging, zu ihrem Astloch. Erschöpft lehnten die beiden sich aneinander. „Du gehst nie fort! Versprichst du's mir?“, keuchte Moonlight nach einer Weile. Eva nickte. „Ich verspreche es!“ Dann schlief sie erschöpft ein. Auch Moonlight rollte sich so gut es ging zusammen. Doch sie konnte nicht einschlafen. War es überhaupt schon hell draußen? Sie fühlte sich beobachtet. Schließlich schlummerte sie dann doch weg.

„Psst! Moonlight! Psst!“...

Moonlight schreckte aus dem Schlaf hoch und riss die Augen auf. Wieder diese Stimme…sie kam ihr vage bekannt vor, und sie schien von draußen zu kommen. Ich kenne diese Stimme, ich habe sie schon einmal gehört…, dachte sie. Nur wo?... Ihre Gedanken wanderten zurück in ihre Vergangenheit, sie erinnerte sich an eine vergessen geglaubte Zeit, dachte daran, wie ihre Mutter ein Jungtier in den Armen gehalten und geschaukelt hatte, hörte die zärtliche Stimme…ihrer Mutter? „Moonlight!“, wisperte sie, mehr in ihrem Kopf jetzt als außerhalb. „Komm zu mir…ich bin es…“ Ganz automatisch, ohne es überhaupt zu wollen, wendete sie sich in eine x-beliebige Richtung. „Komm…gut so…noch ein Stück…“ Die Stimme machte sie seltsam schläfrig. Sie flog, ohne zu wissen, wohin, bis sie bei einigen verwilderten Rosensträuchern ankam. Sie ließ sich darauf nieder. Die Dornen stachen in ihre Haut und weckten sie aus ihrer Trance. Vor sich sah sie eine Gestalt, fast durchscheinend im Mondlicht und ganz klar ein Mondflügel. Die Gestalt wandte ihr das Gesicht zu. Moonlight erschrak, der Anblick durchbohrte ihr Herz wie ein Messer. „Mum? Bist du es echt?“

Ihre Mum nickte. Sprachlos starrte Moonlight ihr in die Augen. Sie konnte es immer noch nicht fassen. Eva erwachte langsam. Sie fühlte sich kaputt. Und Durst hatte sie auch. Langsam flog sie los zum nahen Bach. Dass Moony weg war, hatte sie noch nicht bemerkt. Nachdem sie ihren Durst gelöscht hatte, flog sie wieder zurück zum Baumloch. Sie hängte sich wieder hin. Eine Weile wälzte sie sich, von Fieber geplagt, hin und her. „Moony? Könntest du mir ein paar heilende Beeren holen? Ich fühle mich nicht wohl! Moony? Hallo Moonlight? Wo bist du?“

-4-

Evas Entführung

Keine Antwort. Eva drehte nervös den Kopf. Sie wollte aus dem Baum fliegen und nach Moony suchen, doch kaum hatte sie sich einige Zentimeter in die Luft geschwungen, machte sich ein Gefühl der Erschöpfung in ihr breit. Sie fiel zu Boden und schlief binnen Sekunden ein. Moonlight sah ihre Mutter derweil nur an. „Mum…du bist doch tot…“ Wieder nickte sie. „Ja, ich bin tot – deinetwegen!“ Das letzte Wort kreischte sie. Sie warf sich mit einem Wutschrei auf Moonlight und stieß sie zu Boden. Moony stöhnte. Das Gewicht ihrer Mutter presste ihr die Luft aus den Lungen. „Du hast mich einfach im Stich gelassen…Verräterin! Und so was soll meine Tochter sein…“ Vor Moonys Augen tanzten bunte Kreise, langsam wurde es schwarz um sie. Sie schrie. Einen Moment dachte sie, ihr Hilferuf würde ungehört im Nichts verhallen, doch dann hörte sie eine Stimme – „Hallo?“ – und spürte plötzlich, wie ihre Mutter leichter wurde. Sie öffnete die Augen…sie verblasste! Wie ein Spiegelbild im Wasser, wenn man ein Blatt darauf warf…Schließlich war sie ganz weg. Moony atmete tief durch. Sie sah sich um. Zwischen den Blättern tauchte ein Gesicht auf, ein Männchen. Es war ein Silberflügel, er musste in Moonys Alter sein. „Kann man dir helfen?“, fragte er lässig. „Nein, ich glaube, das hast du schon…“ Fassungslos starrte sie auf die Stelle, wo eben ihre Mutter gestanden hatte. „Frag nicht, ja? Ich bin Moonlight, aber nenn mich Moony!“ „Freut mich, ich werde Alo genannt. Heiße aber Alessandro. Manchmal frage ich mich, was meine Eltern geritten hat, mich so zu nennen…“ Er lächelte. Moony lächelte zurück. Und während die Mondflügelin eine neue (vielversprechende!) Bekanntschaft schloss, geschah mit Eva etwas, das die Sonnenflügelin in ihrem ganzen Leben nie vergessen würde…

Moonlight starrte den Silberflügel erfreut an. Er war ihr sympathisch. „Hast du Hunger?“ Alo nickte. „Wollen wir jagen?“ Abermals nickte er. Zusammen jagten sie nach Insekten. Plötzlich empfing Moony einen Gedanken. Einen schrecklichen Gedanken... Sie schrie auf. „Was ist, Moonlight? Hast du dir wehgetan?“ Alessandros besorgte Stimme drang an ihr Ohr. Doch sie konnte ihm nicht antworten. Der Schmerz, der in ihrem Kopf widerhallte und sich endlos wiederholte, war unerträglich. Sie stürzte zu Boden und wälzte sich schreiend herum. Alessandro konnte nur hilflos daneben stehen und zusehen. Er starrte sie erst mal nur an. Ein seltsames Mädchen…erst schreien und dann war nichts, dann das…es hätte ihn nicht mal mehr gewundert, wäre sie aufgewacht und hätte ihm gesagt, sie würde von Geistern heimgesucht… Alo konnte ja nicht ahnen, wie richtig er damit lag. „So, da hätten wir dich also hier, in meinem Revier…“, hörte Moony die Stimme ihrer Mutter an ihrem Ohr schnurren. Sie blickte sich um. Wo war sie? Um sie herum nichts als Wüste und drückende Schwärze…Moony blickte sich um und erkannte hinter sich das bläuliche Fell ihrer Mutter. Sie hielt etwas Hellgelbes in den Klauen. Moony schrie auf, als sie erkannte, was es war. Ihre Mutter hatte Eva gefangen genommen!


-5-

Carina

Carina Wolkenflügel flog lautlos zwischen den hohen bunten Bäumen des Dschungel her. Neben ihr, ihre Freundin Cassy und Zack. Alle die Augen auf dasselbe Ziel gerichtet, ein riesiger Käfer, genauso groß wie sie selbst. Gleichzeitig tasteten sie ihre Umgebung mit Echowellen ab. Carina flog vorne voran, die anderen beiden etwas hinter ihr. Sie gab ein Zeichen und die Cassy und Zack kippten zur Seite weg. Sie flog jetzt ganz alleine auf den Käfer zu. Er war jetzt kurz vor ihr. Weiter neben sich sah sie die silbrigen Umrisse ihrer Freunde. Sie ließ sich nach vorne kippen und schnappte mit ihren Krallen nach den riesigen Käfer. Das gleiche taten neben ihr Cassy und Zack. Der Käfer wehre sich noch kurz, bis Carina ihm in den Nacken biss. Er sackte zusammen und Cassy und Zack packten ihn und zogen ihn mit sich. „Wenn das nicht mal gut war!“, sagte Carina zufrieden mit einem Hauch Nüchternheit. „Ja, damit dürften wir die Prüfung locker bestanden haben!“, freute sich Zack. „Das haben wir nur Carina zu verdanken! Dank ihr durften wir die Prüfung früher machen als die anderen!“, lobte Cassy sie. „Du hast uns super geführt!“ Bevor Carina noch etwas sagen konnte tauchte schon ihr Zuhause vor ihnen auf, die Statue. Carina flog als erste in die Öffnung am Arm hinein, nach ihr Cassy und Zack. Carina nahm den Käfer an. „Das habt ihr drei echt toll gemacht!“ Hinter ihnen erwarteten sie schon die Ältesten und ihre Lehrerin. „Ihr habt die Prüfung alle drei bestanden. Ab sofort dürft ihr jagen gehen.“ Carina, Cassy und Zack brachen in Jubel aus. „Herzlichen Glückwunsch. Aber legt euch jetzt lieber hin, es ist schon spät“, sagte ihre Lehrerin zu den dreien. Und es stimmte. Carina fühlte wie die Müdigkeit in ihr hochstieg und sie konnte sich ein Gähnen nicht verkneifen. „Kommt, wir gehen lieber.“ Die drei stiegen den engen Gang hinauf, bis sie an eine Öffnung kamen. Vor ihnen klaffte eine riesige Höhle auf, der Bauch der Statue. Die drei glitten hinunter, und suchten sich weit unten einen Schlafplatz. Sie hängten sich nah zusammen, Cassy und Zack besonders nah. Carina hatte es schon lange geahnt. Die zwei waren aber auch ein süßes Paar. „Nieeeee wieder Schule!“ Damit schlief Cassy ein. Zack kuschelte sich nah an sie heran und schließ auch schnell ein. Carina hing noch eine Weile wach da. Nie wieder Schule...sie freute sich schon, aber irgendwas war da...Sie hatte das Gefühl das sich irgendetwas verändern würde...sehr verändern würde... Dann schlief sie ein. Doch diese Nacht hatte sie einen seltsamen Traum. Carina fand sich in tiefer Dunkelheit wieder. Sie war ganz allein, nur sie, nichts anderes...Dann tauchte vor ihr plötzlich ein helles Licht auf. Es war hellgelb, so hell wie die Sonne. Dann erklang einen liebliche Stimme. „Carina.“ Carina musste die Augen schließen, so hell war das Licht. Sie konnte nicht reagieren, so überrascht war sie. „Carina.“ „Wer bist du?“, brachte sie nur raus. „Ich bin Solaria“ „Solaria?“ „Ja, und ich habe eine Aufgabe für dich. Du bist eine sehr mutige Fledermaus und deine Fähigkeiten sind außergewöhnlich. Mein Gegenstück, Selene, hat etwas vor. Das spüre ich. Du musst mir helfen, herauszufinden, was es ist.“ „Aber wie?“ „Du musst in den Norden. Dort findest du zwei Fledermäuse. Hilf ihnen. Sie sind auf dem richtigen Weg.“ „In den Norden? Aber wie komme ich da hin? Außerdem kenne ich mich dort nicht aus!“ „Du wirst es schaffen.“ Damit verschwand die helle Gestalt. „Halt! Warte!“ Doch Carina blieb alleine zurück. Es kam keine Antwort mehr. Nur eines hallte noch in ihrem Kopf...Finde die zwei Fledermäuse, hilf ihnen...

Am nächsten Abend konnte sie sich noch genau an den Traum erinnern. Sie öffnete die Augen, und konnte nicht glauben wo sie war.


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Eine neue Freundin

Moony schlug die Augen auf und starrte in Alessandros verwunderten Blick. „Schnell! Komm! Ich muss Eva vor meiner Mutter retten!“ Er fragte gar nicht erst, sondern flog einfach mit Moony mit. „Wohin fliegen wir?“ „Zu unserem Schlafplatz!“

Moony sah sich hektisch um. Eva war nicht da, so viel konnte sie sehen. Natürlich, das war ja logisch. „Sie ist nicht hier!“ Fast panisch blickte sie in Alessandros Gesicht. „Hey, könntest du mir vielleicht erklären, was hier los ist, kleines Gör?“ Ärgerlich starrte er ihr in die Augen. Sie zuckte zusammen, sein Blick wurde wieder sanft. „Entschuldige. Also, erzähl!“ „Wir haben keine Zeit“, schluchzte Moony. „Meine Mutter hat Eva, sie wird sie, sie wird sie...“ der Rest ging in ein Schluchzen unter. „Hey, schon gut, wir werden Eva retten, keine Angst...“ Dann klang seine Stimme wild entschlossen. „Komm, wir werden sie finden.“ Etwas an ihm und seiner Entschlossenheit faszinierte Moony. Sie vergaß all ihren Kummer und folgte ihm nach draußen. Eva Sonnenflügel wachte, geplagt von Kopfschmerzen, auf. Sie sah sich um und nach einer Weile wurde ihr klar, dass sie nicht in der Baumhöhle war, sondern auf einer weichen Wolken gebettet, rund um sie Himmel! „Na, Mädchen! Bist du wach geworden?“ Sie zuckte zusammen, als sie die Stimme vernahm. „Wer sind Sie? Und wo bin ich?“ Das silberne Weibchen lachte, als Eva dies fragte. „Ich bin Moonys Mutter! Und du bist im Himmel!“ Verwirrt schaute sich die Sonnenflügelin um. „Aber wieso?“ „Weil du tot bist! Wie alle hier oben!“

Carina flog orientierungslos zwischen den kahlen Bäumen her. Sie war fasziniert von diesem Ort, vom Norden. Sie war die erste Wolkenflügel die nach Generationen im Norden war... Sie beschleunigte noch weiter. Wann sie diese beiden Fledermäuse wohl treffen würde? Sie bog gerade um einen dicken Stamm herum, als plötzlich vor ihr zwei Silhouetten auftauchten. Erschrocken bremste sie ab, konnte einen Zusammenstoß jedoch nicht mehr vermeiden. Sie krachte mit den beiden Gestalten zusammen. Carina verlor kurz den Halt, fing sich aber kurz unter dem Stamm wieder auf. Ihre beiden „Opfer“ fielen glücklicherweise auf den Ast. Mit zwei kräftigen Flügelschlägen war sie schon auf Höhe des Astes und landete neben den beiden Gestalten. Überrascht erkannte sie, dass es auch Fledermäuse waren. Das Männchen half dem kleineren Weibchen hoch, es sah besorgt aus. „¡Perdón! Ich hab euch nicht gesehen, ist alles ok?“, fragte sie besorgt. Erstaunt sah Moony das seltsame Fledermausmädchen an. Irgendwie sah sie komisch aus...auf ihrem Fell war ein seltsamer Flaum, und überhaupt sah sie anders aus...Auch Alo neben ihr sah nicht weniger verwundert aus. „Ähm...nein...ja…ich meine, wir sind ok...“, brachte Alo stotternd hervor. Moony fing sich seltsamerweise schneller als er. „Uns geht es gut. Aber wer bist du? Wo kommst du her? So eine wie dich habe ich noch nie gesehen! Ach ja, ich bin Moonlight Mondflügel, genannt Moony, und das ist Alo Silberflügel!“ „Ich bin Carina Wolkenflügel. Buenas tardes! Ich komme aus dem Dschungel!“ Obwohl Moony gerne noch weiter gefragt hätte, fiel ihr plötzlich wieder Eva ein. „Oh nein, Eva! Wir müssen los!“ Als Carina den zweiten Namen hörte erinnerte sie sich an etwas aus ihrem Traum. Könnten das die beiden sein, denen ich helfen soll? „Komm mit!“ Bevor Carina weiter grübeln konnte, flog Moony mit Alo weg. Ohne weiter darüber nachzudenken, flog sie den beiden hinterher. Schnell hatte sie sie eingeholt, und sie musste ihr Tempo stark drosseln.

„Fliegt ihr immer so langsam?“ „Was heißt hier langsam! Wir sind doch schon schnell!“, beschwerte sich Alo lauthals. „Dafür ist jetzt keine Zeit“ tadelte Moony ihn. „Ach, wo kann sie nur sein?“ Ihre Stimme drohte zu brechen. Sie ließen sich auf einem Baum nieder und Alo hang sich zu Moony, die sein Gesicht in seinem Fell versteckte. Carina wusste nicht wie sie Moony helfen konnte, und so widmete sie sich wieder der Landschaft. Plötzlich erschien vor ihnen ein helles Licht. Heller als alles andere.


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Böse Träume

Solaria erschien. „Ihr müsst Eva helfen. Sie verliert ihren Lebenswillen. Moonlight Mutter sucht sie in ihren Träumen heim. Sie denkt sie sei Tod. Ihr Lebenswillen schwindet. Findet sie! Schnell!“ Mit diesen Worten verschwand das helle Licht wieder. Moonys verweinte Augen öffneten sich weit. Die Wolkenflügel verstand nicht, was Moonys Mutter damit zu tun hat, sie wusste nur eins, dass sie Eva finden musste. Plötzlich fiel ihr weiter hinten im Wald etwas auf...eine neblige kleine Lichtung. Aber was schimmerte durch den Nebel? Etwas Gelbes...Instinktiv ließ sich Carina fallen. „Komm, Moony, ich glaube, ich weiß, wo Eva ist.“ Sie war viel schneller als Moony und Alo und schoss voraus. Unter ihr entdeckte sie eine gelbe Fledermaus auf einem Baumstumpf. Sie landete neben ihr, kurze Zeit später landete auch Moony, völlig außer Atem. „Eva!“ Moony schüttelte ihre Freundin in der Hoffnung sie von ihren Alpträumen zu befreien.

Eva starrte Moonys Mutter an. Konnte sie das wirklich sein? „Schlaues Mädchen, ja, ich bin es.“ Die Sonnenflügelin staunte jetzt natürlich erst recht Bauklötze. „Kannst du etwa Gedanken lesen?“ Ihr Gegenüber grinste. „Nicht direkt, aber manchmal kann ich…“ Sie brach ab. Eva wollte sie gerade wütend anfahren, sie solle sie gehen lassen, aber da hörte sie eine Stimme. Nicht direkt hier, eher…in ihrem Kopf? Eva? Eva! Wach auf! Sie schüttelte sich. Plötzlich verblasste der Himmel um sie herum. Sie schloss die Augen, gespannt, was als nächstes wohl kommen würde… Als sie die Lider wieder auseinander zog, war sie wieder in einer viel bekannteren Gegend – zu Hause nämlich, im Wald. Neben ihr waren Moony und zwei andere Fledermäuse, deren Namen sie nicht kannte. Ein Männchen und ein Weibchen. „Eva! Alles klar?“, fragte Moony. Benommen nickte diese. „Ich muss dir ne ganz irre Geschichte erzählen, aber erst mal…wer sind die?“ „Ich habe eine eigene Stimme, du kannst mich auch ruhig selbst nach meinem Namen fragen“, erklärte das Weibchen ruhig. „Bei uns zu Hause gilt es nämlich als unhöflich, über andere zu flüstern, wenn sie daneben stehen, das scheint dir ja fremd zu sein…“ Sie warf einen verächtlichen Blick zu Eva hinüber. „Ist ja notwendig, denn offensichtlich willst du mir deinen Namen ja nicht sagen“, erklärte Eva lächelnd, ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen. „Carina Wolkenflügel“, murmelte sie. „Und der?“ Jetzt sah Eva zum Männchen, dem diese Behandlung weniger auszumachen schien. „Alessandro Silberflügel, aber nenn mich Alo.“ „Silberflügel, keine besonders schnellen Flieger, wie? Ein bisschen wie die Mondflügel“, grinste Eva. „Ich hoffe, Wolkenflügel sind würdige Gegner in einem kleinen Wettfliegen?“ Sie schielte zu Carina hinüber. „Aber sicher doch, ich würde dir allerdings nicht raten, dich mit mir anzulegen, ich werde dich in Grund und Boden fliegen, du vorlautes Würstchen“, schoss diese zurück. Eva lächelte. Diese blöde Kuh ist irgendwie sympathisch…, dachte sie grinsend. „Wohl noch nie gegen eine Sonnenflügel angetreten, noch dazu eine ganz besonders schnelle? Freu dich nicht zu früh!“ Moony räusperte sich. „Aber größere Probleme als euer dämliches Wettfliegen habt ihr jetzt nicht, oder? Eva, was ist passiert? Carina, woher kommst du und warum? Alo, was machst du hier überhaupt so allein?“ Moony starrte gespannt in die Runde und wartete auf Antworten. Und dann fauchte sie: „Ruhe! Immer nur einer auf einmal!“, als alle gleichzeitig zu quatschen anfingen.

„Eva, du zuerst!“ Eva fing an zu sprechen. „Okay! Das war so...“ Die Sonne war schon aufgegangen, als sie endlich fertig war mit Erzählen. Moony seufzte und vergrub ihr Gesicht in Alos Fell. „Und was machen wir jetzt?“ Carina sah sich um. „Wir müssen auf jeden Fall wach bleiben! Schließlich hat Moonys Mutter sie im Schlaf überrascht!“ „Und was machen wir so lange?“ Alo sah die andern fragend an. „Spielen wir doch Tat oder Wahrheit bis die Sonne wieder untergeht!“ Die anderen stimmten begeistert zu.

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Die 3 Auserwählten

„Wahrheit oder Tat?“ Carina zog eine Augenbraue hoch. Misstrauisch beäugte Eva sie von der Seite. „Da fällt mir direkt was ein...“ Sie blickte der fremden Fledermaus mit dem seltsamen Flaum direkt in die Augen. „Woher kommst du und warum bist du hier?“ Carina hielt ihren Blick und ihre Antwort wirkte fast kalt. „Ich komme aus dem Dschungel, und gehöre zur Kolonie der Wolkenflügel. Wir sind Urururenkel der Nordfledermäuse, die von den Menschen in den Dschungel gebracht wurden, und wir haben all ihre Talente. Nur sind sie bei uns durch den Dschungel viel besser ausgeprägt. Zum Beispiel das Fliegen. Ihr fliegt sehr langsam.“ Eva war fassungslos. Sie flogen doch nicht langsam! Entrüstet schaute sie die Wolkenflügel an. Diese schien Evas Reaktion belustigend. „Wir fliegen alles andere als langsam! Die Sonnenflügel sind die schnellsten Flieger hier!“ „Mag sein, doch gegen die Wolkenflügel ist das nichts.“ Carinas Antwort war geradezu beiläufig und obwohl Eva sie als hochnäsig empfand, war sie ihr gleich sympathisch. Dann fuhr Carina fort. „Ich bin von Solaria, unsere Göttin hier her geschickt worden um zwei Nordfledermäusen gehen ihre Schwester Selene zu helfen.“ Dabei schaute sie von Eva zu Moony, die erstaunte Blicke tauschten. „Ich weiß, ich kann es selbst kaum glauben, aber ich nun mal hier.“ Jetzt meldete sich endlich auch Moony zu Wort. „Gegen Selene? Oh, ähm, das trifft sich glaube ich ganz gut, denn wir haben grade nämlich so ein kleines Problem. Meine Mutter sucht uns nämlich heim, und bis jetzt wussten wir nicht warum, aber das hat ja alles scheinbar mit der bösen Göttin Selene zu tun. Das erklärt so einiges, weil meine Mutter eigentlich gar nicht böse ist.“ Sie plapperte einfach drauf los, und Carina bemerkte das sie wohl noch ein Jungtier sein musste, aufgrund ihrer kindlichen Art. Das zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht und Eva gewann durch ihre nette Seite ein wenig mehr Vertrauen zu Carina. Alo schaute von einer zur anderen. Worauf hatte er sich da nur eingelassen? Jetzt war er mit drei Mädchen zusammen, die alle sehr temperamentvoll schienen. Es musste komisch aussehen, ein stinknormaler Silberflügel mit seiner typischen blauen Färbung, neben zwei sonnengelben Fledermäusen und einer mit rotem Fell. Carina schaute herausfordernd zu Eva hinüber. „Wahrheit hatten wir, jetzt kommt Tat...du glaubst nicht das wir Wolkenflügel schneller sind? Wie wäre es mit einem Wettrennen? Von hier, bis drüben zum Bach und wieder zurück?“ Eva kam es nur Recht und sie willigte sofort ein. Jetzt würde sie es dieser hochnäsigen Fledermaus schon zeigen. Moony gab das Startsignal. „Los!!!“ Sofort lies Eva sich fallen und versuchte einen Weg einzuschlagen, wo sie nicht vielen Bäumen ausweichen musste, denn Wendigkeit zeichnete Sonnenflügel nun gar nicht aus. Sie schoss voraus und wich den Bäumen mit wenig Eleganz aus, aber dennoch schnell genug. Am Bach machte sie eine große Kurve und machte sich auf den Weg zurück zu Moony. In ihrer Wendung hatte sie genügend Zeit um nach der Wolkenflügel Ausschau zu halten. Und sie was sie sah verblüffte sie. Carina flitzte trotz ihrer großen Flügel schnell um die Bäume herum, und das mit gewaltigem Tempo. Jetzt legte Eva noch einen Zahn zu. Moony beobachtete währenddessen das Spektakel zusammen mit Alo von der Zielgeraden aus. Die zwei saßen eng aneinander und waren ebenso überrascht von der Wendigkeit und Schnelligkeit der Dschungelfledermaus wie Eva. Vier Flügellängen vor Eva hing Carina schon wieder neben Alo und Moony, und erwartete Eva mit einem breiten Grinsen. Doch anstatt sauer zu sein, war sie erstaunt. „Das hättest du nicht gedacht, was? Ich sagte ja, dass der Dschungel all eure Talente in uns vereint hat und ausgebildet hat...“ Auch Carina war überrascht das Eva nicht sauer war. „Wow! Das war ja super! Ich hab nicht gedacht das du mit deinen breiten und langen Flügel so wendig sein kannst!“ Auch Moony war beeindruckt, aber sie kümmerte sich weniger um die konkurrierenden Weibchen als um Alo. Dabei vergaßen sie ganz ihre Probleme, und wurden umso verwundbarer als sie es sich hätten vorstellen können...

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Moonys Mutter

Moonlights Mutter hing in einer Pyramide, weit entfernt von den vier Freunden, und trotzdem unglaublich nah, näher als sie sich hätten vorstellen können. Wenn sie die Augen schloss, dann sah sie sie vor ihren geschlossenen Lidern. Wie sie dasaßen und plauderten, wie zwei der Weibchen um die Wette flogen…wie kindisch sie waren, wie ahnungslos! Die Fledermäuse waren eine leichte Beute, zu leicht. Sie waren völlig wehrlos, und Moonlights Mutter, die übrigens Bella hieß, würde keine drei Finger krümmen müssen, um sie zu sich zu bringen, in die Unterwelt, wo sie Selene noch von großem Nutzen sein würden. Die Göttin brauchte sie, genau diese drei Weibchen. Das Männchen war ihr egal, sollte er mitkommen und sterben oder sich draußen noch ein schönes Leben machen, es war ihr egal. Noch einmal betrachtete sie die Gesichter der Mädchen. Und seufzte. Bei der Sonnenflügel und dem Dschungelfledermaus, da war es ihr egal, die beide zu opfern würde nicht weiter schwer fallen, wenn es so weit war. Ihre Tochter war da ein anderes Kapitel. Moonlight. Bella hatte sie so getauft, weil der Vollmond über ihr hell geschienen hatte, als das Mädchen zur Welt gekommen war. Ihr Vater war in der gleichen Nacht gestorben. Immer noch hatte sie Tränen in den Augen, wenn sie an jene Nacht dachte. Reiß dich zusammen, Bella! Wenn du jetzt sentimental wirst, dann ist der Plan gestorben. „Selene!“, rief sie. Nebelschwaden erfüllten die Pyramide, sie leuchteten wie der Mond, so hell wie damals… Bella hörte Selenes Stimme in ihrem Kopf bereits. Offen trat die Göttin sehr selten auf. „Was hast du mir zu sagen, Bella, meine oberste Truppenführerin?“ Oberste Truppenführerin…wie gut sich das anhörte! Dabei bin ich nichts weiter als ein unbedeutender Aushilfstrottel! Bella kniete nieder und senkte den Kopf. „Ich wollte Euch mitteilen, dass wir bereit sind. Der Angriff kann beginnen, noch heute Nacht.“ „Ich danke dir vielmals, ich werde gleich meine beste Truppe losschicken.“ Fast hätte Bella aufgeschrieen. Ihre beste Truppe? Die setzte sich aus Wesen zusammen, an die die Mondflügel gar nicht denken wollte. Und die wollten sie auf Moony loslassen… „Ich werde mich bereit machen, noch heute werden wir die Fledermäuse in unserer Gewalt haben. Und Bella! Achte auf deine Gefühle, sie machen dich schwach. Schwach und verwundbar.“ Damit verschwand sie. Und im gleichen Augenblick näherten sich Wesen den ahnungslosen, fast schon glücklichen Freunden, an die später keiner gern zurückdachte. Besondern Moony nicht…

Gemütlich saßen die neuen Freunde zusammen und spielten weiter Tat oder Wahrheit. Es ging ziemlich spaßig zu und her. Moony und Alo führten gerade unter großem Gekichere den Orangentanz auf, als plötzlich schwarze Wolken aufzogen. "Oh! Seht mal, es wird gleich regnen!", rief Eva aus. In Windeseile suchten sie sich einen Unterschlupf. Dann begann es zu regnen. Blitze zuckten über den Himmel und Blätter wurden von den Bäumen geweht. Ein Donner hallte durch den Baumstumpf. Moonlight zuckte zusammen und Alo legte den Flügel um sie. Eva lauschte konzentriert. Plötzlich vernahm sie ein feines Flattern. Nur ganz leise, aber laut genug, um der Sonnenflügel nicht zu entgehen. Inzwischen war es immer lauter geworden und das beunruhigte Eva. "Kommt! Wir müssen von hier weg! Hier sind wir nciht mehr sicher! Carina? Wo können wir hin?" "Ich werde Solaria anrufen!", sagte diese ohne zu Zögern...



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Selenes Wesen

Moony und Eva sahen sie erstaunt an. „Solaria anrufen?“ fragten sie ungläubig. Doch Carina achtete schon nicht mehr auf sie, und erinnerte sich an das was sie aus ihrer Heimat kannte, was sie dort gelernt hatte. Sie trat aus ihrem Unterschlupf auf einen Ast. Über ihr durchzuckten Blitze den Himmel und der Donner grollte so laut, wie er es seit langem nicht mehr getan hat. Eva und Moony tauschten nervöse Blicke und folgten der Wolkenflügel. Sie sahen wie Carina 5 riesigen Fledermäusen gegenüberstand, so groß wie sie es sich nie hätten träumen lassen. Ihre langen spitzen Zähne ähnelten der der Wölfe, schienen aber viel gefährlicher. Auch ihre Krallen waren länger und spitzer als wären sie da um zu töten...Die ledrigen Flügel wehten im Wind und machten ihren Auftritt noch imposanter. Eva, Moony und Alo standen der Schrecken ins Gesicht geschrieben, nur Carina blieb ruhig. Sie verengte ihre Augen zu Schlitzen und flüsterte ein Wort das für sie so alltäglich war, aber für ihre neuen Freunde neu. „Vampyrum.“

„Aber woher...“ fing Eva an, aber wurde von Carina unterbrochen.

„Erzähl ich euch später, wir müssen hier weg. Ihr müsst sehr auf euch aufpassen, sie sind schnelle, gefährliche Jäger. Los, fliegt!“

„Aber...“ wollte Eva protestieren, aber als sie Carinas konzentrierten Blick folgte sie ihrem Gefühl und vertraute Carina.

„Ok, aber komm so schnell nach wie du kannst, das sollte für dich ja kein Problem sein.“ Sie schenkte der Wolkenflügel ein müdes Lächeln und flog Moony und Alo voran, ein gutes Versteck suchend. Carina wandte sich um und schloss die Augen. Ihre Echonetze malten ihr ein genaues Bild ihrer Umwelt in den Kopf, doch sie verbannte es aus ihren Gedanken. Sie faltete sie Hände rief in den Himmel.

„Solaria! Hilf uns! Schicke uns ein Licht!“ Die Vampyrum lachten nur über diesen kläglichen Versuch und ließen sich fallen. Sie breiteten ihre langen Flügel aus und schossen auf Carina zu. Diese blieb starr dort wo sie war, mit festem Glauben.

Währenddessen hatte Eva eine Höhle entdeckt, auf dem Erdboden. Es gab nur einen kleinen Eingang, der hinter einigen Büschen sehr versteckt lag. Sie lotste Moony und Alo hinein, die Probleme bekamen bei den kräftigen Böen zu fliegen. Im inneren der schützenden Höhle holten die drei erstmal Luft. Doch plötzlich durchzuckte sie ein Gedanke, mit einem bösen Gefühl. Carina! Bleib wo du bist, vertraue Carina, dachte sie die ganze Zeit und sie war fest überzeugt. Irgendetwas sagte ihr, das sie hier bleiben müsse, bei Moony. Und seltsamer Weise hielt sie etwas hier...

Carina öffnete ihre Augen. Sie hatte gewusst, dass Eva ziemlich sicher versucht hätte, ihr zu Hilfe zu kommen. Nur gut, dass sie einen kleinen Trick kannte… Sie verwendete ihn nicht oft, nur ungern manipulierte sie den Willen anderer Leute, doch es war nötig gewesen. Tapfer blickte sie den Vampyrum entgegen, die in rasantem Tempo auf sie zuschossen. „Solaria…“, flüsterte sie mit einem Zittern in der Stimme. „Bitte, komm…“ Doch nichts tat sich. Carinas Göttin ließ sie im Stich, zumindest dachte die Wolkenflügel das in diesem Moment. Was Solaria wirklich getan hatte, begriff sie erst Jahre später… In der kleinen Höhle hatte Moony sich an Alo gekuschelt und schlief. Er selbst war wach. Eva betrachtete die beiden. Sie spürte ein starkes Gefühl der Zuneigung in sich, und Unglauben. Wie kann man in so einer Situation nur schlafen? Natürlich konnte sie ja nicht wissen, dass die Mondflügel nicht rein zufällig eingeschlummert war. Nein, sie träumte. Träumte von etwas, das sie nie wieder vergessen sollte und was in dieser Nacht ein Leben rettete…


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Moonys Traum

In ihrem Traum war es kalt. Bitter kalt. Moony fror. Rund um sie herum war es dunkel, aus irgendeinem Grund lieferte ihr auch das Echosehen nur Schwärze. Nichts schien da zu sein, nur Finsternis. Und die Kälte… Plötzlich nahm sie hinter sich ein Leuchten war, golden wie die Sonne…sie drehte sich um. Das Gesicht, in das sie blickte, war ihr gänzlich unbekannt, doch trotzdem wusste sie instinktiv, wer es war. „Solaria…“, flüsterte sie. „Bist du es wirklich?“ „Ja, Moonlight, ich bin es wirklich. Und ich bin hier, um dir zu sagen, dass man deine Hilfe braucht!“ Moony war, als würden durch die Schwärze die Gesichter ihrer Freunde tanzen. Eva, Alo…und Carina. Auf ihrem Gesicht glaubte sie, einen Schatten des Entsetzens wahrzunehmen. „Was ist mit ihr?“, fragte Moony erschrocken. „Sie versucht, zu mir Kontakt aufzunehmen, sie braucht Hilfe!“ „Warum hilfst du ihr nicht?“ Moony war entsetzt. Hatten sie sich in Solaria getäuscht? War sie nicht besser als Selene? „Ich kann es nicht, über Selenes…Kreaturen habe ich keine Macht. Das sind keine gewöhnlichen Vampyrum, ebenso wenig, wie ihr gewöhnliche Sonnen-, Wolken- oder Mondflügel seid. Jede von euch, Eva, Carina und du, ihr habt jede etwas ganz Besonderes, was keine Fledermaus sonst hat. Und nur das kann euch retten!“ „Was ist es?“ „So leid es mir tut, das weiß ich nicht. Ich spüre es nur. Herausfinden musst du es selber. Und jetzt geh nach Hause und hilf deiner Freundin!“ Das Licht verblasste. Da war wieder Dunkelheit. Doch als Moony die Augen aufschlug, funktionierten ihre Sinne wieder wie zuvor, sie war wieder in der Höhle. Und plötzlich wusste sie auf eine ganz merkwürdige Art, was nun zu tun war. „Eva! Wir müssen Carina helfen!“

Eva sah sie verwirrt an. "Wieso denn?" "Ich habe von Solaria geträumt! Sie hat gesagt, dass wir Carina helfen müssen! Sie ist in Gefahr." "Ok, nichts wie los!", sagt Alo und sie flogen los. "Moment", rief Moony, "Fasst euch an den Flügeln!" Eva und Alo gehorchten. "Spricht

mir nach! Wir werden jetzt da raus gehen und Carina vor diesen Kreaturen retten!" Eva und Alo wiederholten die Worte. "Auch würden wir für uns alle sterben, wenn eine Möglichkeit besteht, den andern zu retten!" Wieder wurden die Worte wiederholt. "Und dazu schwören wir jetzt den Eid der Freundschaft... Was auch immer passiert, wir halten zusammen. Keiner geht allein, wir bleiben beisammen. Trennen kann uns keine Gefahr, wir vertrauen darauf das das jeder Gott uns bewahr. Wir können uns mit jedem messen. Wir werden uns nie vergessen. Einer für alle, und alle für einen!!“ Alo sprach den Schwur vor, und Moony und Eva sprachen ihn, wenn auch mit großer Überraschung über diesen Brauch, nach. Nach diesen Worten fühlten sich die drei schon viel stärker. Sie flogen los zurück zu der Stelle, wo sie Carina zurückgelassen hatten. Carina stand immer noch auf dem Ast, die Augen geschlossen. Carina zitterte fast, doch sie konnte sich beherrschen. Sie hörte wie die Flügelschläge immer näher kamen, aber es passierte nichts…Warum passiert denn nichts, dachte sie, sonst erscheint Solaria auch immer! Dann hörte sie eine bekannte Stimme. Es war Moonys!

„Carinaaaa!!!!“ Instinktiv ließ diese sich fallen und wich gerade noch einem Angriff des Anführers der Vampyrum aus. Sofort schaltete sie auf das „Doppelte Sehen“ um und wich geschickt weiteren Angriffen aus, und das ohne Probleme.

„General Adriano, wie lauten eure Befehle?“ hörten die Freunde einen der 5 Fragen.

„Kümmert euch um die drei Nordfledermäuse, die Dschungelfledermaus gehört mir!“ schrie er zurück und in seinen Augen flammte der Ehrgeiz.

„Dann fang mich doch!“ rief Carina selbstsicher zurück. Sie kannte die Vampyrum und war schon vielen entkommen. Doch sie hatte nicht damit gerechnet das sie es hier mit einem ganz besonderen Exemplar zu tun hatte…Auch Eva, Moony und Alo hatten Problem. Evas Schnelligkeit rettete sie einige Male vor den Krallen, auch Moonys und Alos Wendigkeit kam ihnen zu Gute. Doch sie waren der Zahlenmäßigen Überlegenheit schnell unterlegen… Plötzlich hörte Carina einen Schrei einer sehr bekannten Stimme…

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Überraschende Hilfe

Sie wirbelte herum. „Zack! Was um Himmels Willen machst du hier?“ „Dir helfen, was sonst?“, gab er zurück. Er flog eine Schleife um einen der Vampyrum herum und krachte einem direkt in den Rücken. Er trudelte nach unten. „Ich erledige das, haut ab!“, befahl Zack. „Du spinnst ja!“, fauchte Carina. Hinter sich hörte sie einen Vampyrum heranzischen, eigentlich fast lautlos, doch mit ihrem scharfen Gehör hatte dieser nicht gerechnet. Sie stieß den Flügel nach hinten und schlug ihm hart ins Gesicht. Stöhnend machte der Angreifer kehrt. Zack und Carina brauchten nicht lange, um sich Luft zu verschaffen, bei Moony, Eva und Alo sah das anders aus. Sie konnten ausweichen, mehr aber auch nicht. „Komm!“, rief Carina und schoß auf die Freunde zu. Zack folgte ihr. In Windeseile tricksten sie noch ein paar Vampyrum aus, anderen ließen sie keine Chance. Carina sah sich um. Alle waren plötzlich weg, geflohen oder ohnmächtig. Eva starrte die Wolkenflügel baff an. „Geil“, murmelte sie. Auch Moony war ziemlich verblüfft. „Wo habt ihr das denn gelernt?“ Alo dagegen brachte überhaupt kein Wort heraus. Carina und Zack grinsten sich an. „Tja…“, murmelten sie im Chor. „Sieht so aus, als hätten wir’s überstanden“, meinte Eva, plötzlich sehr darauf bedacht, das Thema zu wechseln. „Neidisch, Pelzbällchen?“, grinste Carina. Eva plusterte sich auf. „Ihr zwei werdet euch noch wünschen, Pelzbällchen zu sein, wenn der erste Schnee fällt.“ „Hä? Schnee? Wasn das?“ Nun war es an Zack, verwirrt dreinzublicken. Alo erklärte es ihm in wenigen knappen Worten. Moony jedoch hatte ein ungutes Gefühl. „Leute, wir sollten abhauen, ich weiß nicht, aber…“ Doch keiner hörte ihr zu. Carina und Eva kabbelten, Alo und Zack fachsimpelten über das Wetter. „Leute…“ Doch weiter kam Moony nicht mehr. Aus der Dunkelheit schoß plötzlich etwas anderes hervor, ein riesiger Schatten, der sich vor den Freunden aufbaute. General Adriano, erkannte Carina. Sie wusste, er würde ein härterer Gegner sein als die anderen, und zweifellos war er jetzt sehr, sehr wütend und wachsam. „Soso, da haben wir euch ja“, knurrte er. Die fünf wichen zurück. Keine Chance gegen ihn, nicht, wenn er so sauer war. Moony, Eva und Alo sowieso nicht, und Carina und Zack wurden langsam, aber sicher müde. „Ich werde euch dafür in der Luft zerfetzen, was ihr meinen Männern angetan habt! Und zuerst komme ich zu euch, die kleinen Viecher da werden schon nicht abhauen, viel zu feig.“ Er wandte sich Carina und Zack zu. „Haut ab!“, bedeutete Carina den anderen in Zeichensprache, doch alle drei waren fest entschlossen, die neuen Freunde nicht im Stich zu lassen. Adriano holte aus. Carina schloß die Augen. Alles umsonst. Doch der erwartete Schlag kam nicht. Sie zog die Lider auseinander und merkte gerade noch, wie etwas gegen den General krachte. Er sank zusammen, unfähig, sich zu rühren. Zack schaltete blitzschnell und warf sich ebenfalls auf ihn, Alo und die Mädchen folgten seinem Beispiel. Carina betrachtete ihren Retter – besser gesagt, ihre Retterin. Sie erkannte das Gesicht sofort. „Cassy!“ Die lächelte. „Stets zu Diensten.“ "Und wer bist du? Auch eine Wolkenflügelin?", fragte Moony und blickte sich besorgt um. "Cassy Wolkenflügel! Und du must Moonlight Mondflügel, genannt Moony, sein! Nicht?" "Doch, das stimmt! Aber woher weisst du das?" Verblüfft starrte Moony Cassy an. Die lächelte verschwörerisch und zwinkerte. Carina verdrehte die Augen; "Hast du wieder mal in meinen Gedanken herumgeschnüffelt?!?" Cassy grinste noch mehr. "Und ein paar sehr interessante entdeckt!" Carina stürzte sich auf sie. "Wage es ja nicht!" Eine Weile sahen die Freunde den beiden zu. "Seid ihr bald fertig?", meinte Eva schliesslich. "Nein!" "Zack? Darf ich bitten?" Die beiden trennten die Kampfhähne und liessen sich von ihnen in die Baumhöhle schleifen. Alo und Moony blieben zurück. "Soll ich dir den besten Platz für den Sonnenaufgang zeigen?", fragte Alo.

Moony nickte. Ein schwarzer Schatten schlich den beiden hinterher...


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Ein Moment der Ruhe?

Erschöpft ließ sich Eva in der Baumhöhle auf den Boden fallen. Auch Carina, Zack und Cassy setzen sich zu ihr. „Könnt ihr mir mal sagen was das gerade war?“ fragte Eva die drei Dschungelfledermäuse. „Sagen wir alte bekannte.“ Sagte Cassy verbittert. „Die Vampyrum leben auch im Dschungel. Sie sind Kannibalen. Wir sind für sie nicht mehr als Beute.“ Eva schluckte. Mit was hatten sie sich da angelegt? Diese Kannibalen waren schlimmer als die Eulen. Evas Gedanken wurden durch Carina unterbrochen. „Was macht ihr beiden überhaupt hier? Wie seid ihr hier hingekommen?“ Zack und Cassy grinsten sich an. „War gar nicht so leicht dich zu finden. Es war soooo eine schwere Reise!“ fing Zack melancholisch an. Aber wieder unterbrach Carina ihn. „Verarsch mich nicht! Wie seid ihr hier hergekommen?“

„Als Priesteranwärterin habe ich Kontakt zu Solaria.“ Carina schaute sie misstrauisch an.

„Sie glaubt es uns nicht Zack…typisch Carina…“ „Cassy, hör auf in meinem Gedanken rumzuschnuppern!“ Carina drehte sich etwas beleidigt weg. Eva wandte sich zu ihr.

„Woher kann sie das? Das …Gedankenlesen?“ fragte sie Carina leise. „Man weiß es nicht genau. Sie ist eines Tages vom Himmel gefallen. Woher sie kommt weiß keiner genau. Sie spricht auch nicht darüber.“ Vom Himmel gefallen? Das kam Eva komisch vor. Aber was war hier schon normal? Alles hatte sich verändert. Und alles hatte mit diesem blöden Ring angefangen! Moony und Alo hingen in de Nähe der Baumhöhle an einem Ast. Der Horizont wurde langsam hell. Keiner der beiden sprach ein Wort. Alo rückte plötzlich näher an Moony heran. Sie hielt überrascht den Atem an. Ihr Herz schlug schneller. Aber tief in sich fühlte sie eine Wärme, eine Wärme wie sie sie nie gespürt hat. Ja, das war es. Das wollte sie immer haben. Sie kuschelte sie an Alo ran. „Es ist alles so verdammt schwierig“, flüsterte sie. Er drückte sie noch enger an sich. „Was meinst du denn?“ „Na, das alles…der Ring, das Opfer, die Wolkenflügel, meine Mutter und die Vampyrum…“ Ihr traten die Tränen in die Augen, doch sie wischte sie schnell weg. Die beiden ungleichen Fledermäuse rückten noch ein Stück zusammen und schliefen schließlich Seite an Seite ein, ebenso Zack und Cassy. Eva betrachtete die beiden Pärchen neidisch. Auch sie hätte so gerne jemanden gehabt…anscheinend war sie als einzige allein. Sie hörte Flügelschläge hinter sich. „Fühlst du dich auch etwas einsam?“, vernahm sie Carinas Stimme. Sie war doch nicht die einzige. Glücklich über die Gesellschaft nickte sie. „Ja, sehr…wollen wir noch ein kleines Wettfliegen machen? Das kann doch nicht sein, dass jemand schneller ist als ich.“ Sie lächelte. Carina ebenfalls. „Nun, wenn du es drauf anlegst, zu verlieren, dann bitte…“ Die beiden glitten hinaus in die Luft der Morgendämmerung. „Bis dort hin, okay?“, fragte Carina und deutete auf einen Baum neben dem See. „Okay, gut zu wissen, wo ich auf dich warten soll“, grinste Eva. „Drei…zwei…eins…los!“ Die beiden preschten durch den Wald, Carina überholte die andere mit Leichtigkeit. So sehr die Sonnenflügelin sich auch anstrengte, sie schaffte es nicht, auch nur ansatzweise mitzukommen. Als sie sich keuchend an einen der Äste klammerte, hing Carina schon gelassen da. „Danke fürs Warten“, grinste diese. „Das wirst du mir büßen…sobald ich wieder Luft bekomme“, keuchte Eva. Carina lächelte nur noch breiter, doch plötzlich gefroren ihre Gesichtszüge. „Sieh doch mal, hinter dir!“ Instinktiv wirbelte Eva herum – nur um eine Sekunde später von Carina in das Wasser unter ihr geschubst zu werden. Klitschnass tauchte sie wieder auf und schüttelte sich die Tröpfchen aus dem Fell, während ihre Freundin sich vor Lachen kaum halten konnte. Die Sonnenflügelin tat sich schwer, den Ast wieder zu erreichen mit dem Wasser an den Flügeln. „Du…“, drohte sie scherzhaft. Plötzlich erstarrte sie. „Carina…“, stammelte sie. „Da!“ Sie deutete der Wolkenflügelin über die Schulter. Diese hob eine Augenbraue. „Lass dir selber Tricks einfallen.“ „Nein, echt!“ Carina blickte Eva in die Augen und erkannte, wie sich helles, goldenes Licht darin widerspiegelte. Nun drehte sich doch vorsichtig den Kopf. Die Lichtung war in gleißend helle Strahlen getaucht, so hell wie die Sonne. „Solaria?“, murmelte sie fast unhörbar leise.

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Schlechte Nachrichten


"Ja!", flüsterte sie, aber doch vernahmen es Eva und Carina sehr laut! "Ich habe euch gesucht!" Sie legte eine Pause ein. Eva war überwältigt von ihrer Schönheit, die sie ausstrahlte. "Ihr müsst noch bei Tag hier verschwinden! Bald werden noch zwei weitere Kumpanen bei euch auftauchen! Doch seit auf der Hut, nicht jeder ist euer Freund! Haltet euch vor allem von rothaarigen Fledermäusen fern!" Auch Carina war in ihren Bann gezogen, doch nicht so stark, wie Eva, darum bemerkte sie, das Solaria immer blasser wurde! Solaria?", flüsterte Carina heiser, "Warum verblasst du?" Traurig schaute die Göttin die Wolkenflügel an. "Meine Zeit läuft bald ab! Ich muss jemanden finden, der das Götteramt übernehmen wird! Ich muss mich nun verabschieden! Vergesst euch nicht und denkt an den Schwur!"
Damit verschwand das gleißende Licht im Himmel. Was passierte mit Solaria? Eva standen die Tränen in den Augen. „Komm Eva…por favor…wir müssen zurück…und zwar schnell!“ erinnerte Carina Eva. Sie hatte Recht. Sie mussten verschwinden. Und zwar noch jetzt. Die Freundinnen hetzten los. Sie schossen um die Bäume herum und platzen in die Baumhöhle hinein.
„Cassy, Zack, aufwachen!!! Wir müssen weg hier, sofort!“ Carina rüttelte die beiden wach. Doch Eva hatte ein ganz anderes Problem. „Alo und Moony sind nicht da!“ Entsetzt schauten sich die Freundinnen an. Wo waren die beiden nur? Plötzlich hörten sie eine Stimme hinter sich.
„Kann ich helfen?“ Die Freunde fuhren erschreckt herum. Ganz lässig lehnte eine rothaarige Fledermaus am Eingang. „Was denn? Ihr schaut ja als wäre ich Nocturna in Person.“ Die Fledermaus löste sich vom Eingang und ging auf die Freunde zu. Carina klappte der Unterkiefer runter. Wer war diese Fledermaus? Bevor irgendjemand etwas sagen konnte platzten auch Moony und Alo in die Baumhöhle rein.
„Eva, Carina! Schatten!!! Wir haben Schatten gesehen!!“ Moony stand der Schreck ins Gesicht geschrieben. Eva fand als erste die Sprache wieder. „Sie hat Recht, wir müssen weg hier!“ Moony und Alo waren die ersten die draußen waren, Eva, Cassy und Zack die zweiten. Nur Carina blieb zurück, mit der unbekannten Fledermaus. Sie konnte ihren Blick nicht lösen.
„Wer bist du?“
„Man nennt mich Raul.“ Er schaute ihr in die Augen. „Ich glaube deine Freunde warten schon auf dich.“ Er drehte sich um und flog los.

Carina schloss sich etwas durcheinander ihren Freunden an, nicht ahnend, dass dieser Raul ihnen in sicherem Abstand folgte. „Moony, kann ich mit dir reden?“, flüsterte Eva ihrer Freundin zu. Diese blickte wehmütig zu Alo. Ihre Augen sagten alles. Lass uns allein, bitte… Natürlich war Moony zu höflich, das auszusprechen. Doch darauf konnte Eva jetzt wirklich keine Rücksicht nehmen. „Ich muss wirklich ganz dringend mit dir reden…“ Die Mondflügelin seufzte und ergab sich ihrem Schicksal. „Bin gleich wieder da, Alo.“ „So gleich wird’s nicht werden“, warnte Eva sie vor. Als sie sich ein Stückchen von den anderen entfernt hatten, begann die Sonnenflügelin: „Ich mache mir Sorgen um Carina.“ Moony runzelte die Stirn. „Geht’s dir gut?“ „Hör mal, da ist etwas, das du nicht weißt…“ Eva berichtete alles, was sich zugetragen hatte, ihr Treffen mit Solaria, ihre Warnung vor rothaarigen Fledermäusen, die Blicke, die Raul und Carina einander zugeworfen hatten. Moony klappte der Mund auf. „Und du meinst…“



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Der Heuchler

„Ich meine gar nichts, nur, dass wir vorsichtig sein sollen.“ Moony nickte nur und machte Anstalten, wieder zu Alo zurückzufliegen. Eva ließ sie seufzend gehen. Immer waren sie nur zu zweit gewesen, und jetzt kam dieser Alo daher und nahm ihr ihre Freundin weg… Eva horchte in sich hinein und stellte überrascht fest, dass sie eifersüchtig war. Richtig eifersüchtig. Sie ließ sich ein Stück hinter den anderen zurückfallen. Es fiel keinem auf. Moony und Alo plauderten glücklich, ebenso Cassy und Zack, die gerade ihre baldige Heimreise planten, und Carina hing ihren Gedanken an Raul nach. Eva fühlte sich ungeheuer einsam. Plötzlich vernahm sie hinter sich Flügelschläge und fuhr fauchend herum. „Aber, aber“, hörte sie eine sanfte Stimme schnurren. „Ich bin es doch nur.“ Sie erkannte rotes Haar. Raul. „Soso, du misstraust mir also, wie?“, fragte er mit rauer Stimme. Eigentlich klang sie nicht schlecht, doch Eva empfand sie nur als schleimig. Ein Schauer rieselte ihr über den Rücken, und es war kein angenehmer. „Was willst du von mir?“, fragte sie kalt und flog schneller. Carina war sie vielleicht unterlegen, aber nicht diesem Hans-Wurst mit seinen Stummelflügelchen. „Ich kann doch nicht zulassen, dass du Carina und die anderen gegen mich aufhetzt“, murmelte er. „Von einem kleinen Fledermausmädchen wie dir lasse ich mir nicht alles versauen, weißt du.“ Er kam auf sie zu, Eva vergaß vor Schreck glatt, mit den Flügeln zu schlagen. Selbst vor den Vampyrum hatte sie weniger Angst gehabt… Das letzte, was sie sah, waren spitze Zähne. Raul lächelte zufrieden und beeilte sich, um den Rest der Gruppe einzuholen.

"Peng!" Erschrocken blickte die Fledermaus auf. Es war mitten in der Nacht und er wollte sich eigentlich einen kleinen Mitternachtsimbiss genehmigen. Das Männchen flog zu dem Fledertier hinunter, welches auffallend sonnengelbes Fell hatte, hinunter. "Gehts dir gut?", fragte er, als sie wieder zu sich gekommen war. "Ja, aber wo bin ich? Und woher kommst du?" "Du bist in einem Wald! Und ich komme von diesem Baum da! Wer bist du?" "Ich bin Eva! Und du?" "Ich bin..."
"EVA? Wo bist du? EVA?", zum zehnten Mal in Folge rief Moony diesen Satz. Sie hatten Eva verloren und Moony häufte sich die gesamte Schuld auf. "Ich bin ihre beste Freundin! Und dann habe ich sie einfach allein gelassen, wegen eines Männchens!", murmelte sie stumpf vor sich hin. Die Sorge um Eva machte sie schon ganz krank. "Jetzt mach die mal keine Sorgen! Eva weiß recht gut, auf sich selbst aufzupassen!" versuchte Alo sie zu beruhigen, doch Moony flog immer weiter. Seufzend folgte Alo ihr.

Carina hing allein an einem Ast. Auch sie sorgte sich um Eva, aber auch etwas anderes wollte ihr nicht aus dem Kopf gehen. Plötzlich vernahm sie die Stimme, die immer noch in ihren Gedanken klang.

„So ganz allein?“ Es war Rauls sanfte Stimme. „Willst du nicht auch nach deiner Freundin suchen?“

„Doch, das sollte ich vielleicht schon...“

„Aber dich beschäftigt etwas anderes, oder?“

„Ja.“ Erstaunt sah sie ihn an. Konnte er in ihr lesen? So wie er sie anschaute, sah es ganz danach aus. Diese Augen, diese wunderbaren Augen... in ihnen verlor sie sich. Sie kannte ihn nicht, aber sie hatte das Gefühl ihn schon ewig zu kennen. Wenn sie ihn nur ansah, kam es ihr so vor mehr über ihn zu wissen als sie es tat. Es war ein seltsames Gefühl, aber doch angenehm...


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Besessen

Eva hatte inzwischen ein ganz ähnliches Gefühl, als sie in die meerblauen Augen des Männchens sah. „Ich bin Nico“, stellte er sich vor. „Nico Grauflügel, um genau zu sein.“ Eva musterte ihn. Sie hatte schon Grauflügel gesehen, aber sie alle hatten recht fad ausgesehen. Dieser hier nicht. Sein Fell war in allen nur denkbaren Grauschattierungen gesprenkelt. „Was machst du hier eigentlich?“, fragte er. „Sicher nicht die letzten warmen Tage vor dem Winter genießen, oder? Dazu wirkst du etwas zu…hektisch.“ Eva nickte. „Natürlich bin ich hektisch, ich muss gegen Vampyrum kämpfen, und gegen die Mondgöttin und ihre Komplizin, die tote Mutter meiner Freundin, die ihre eigene Tochter auffressen wollte. Dann muss ich den Wolkenflügeln noch sagen, dass sie heimfliegen sollen, bevor es ihnen zu kalt wird, und ich muss rausfinden, ob die Fledermaus, die mich niedergeschlagen hat, der Rothaarige ist, vor dem Solaria mich gewarnt hat, denn Carina vertraut ihm, und Cassy hat auch nichts rausgefunden, obwohl sie Gedanken lesen kann, und…“ Dies alles sprudelte nur so aus Eva heraus, während der Blick ihres Gegenübers zunehmend verwirrter wurde. Sie holte tief Luft. „Entschuldige.“ „Jetzt erzählst du mir mal alles von Anfang an“, redete er beruhigend auf sie ein. „Das geht nicht!“ Eva verstand sowieso nicht, warum sie das alles gesagt hatte. Nico machte sie total verrückt. „Warum?“ „Du würdest mir nicht glauben.“ „Ich glaube einiges.“ Also erzählte sie, was sie zugetragen hatte, ohne etwas auszulassen. „Dann müssen wir die anderen so schnell wie möglich finden“, meinte er ernst und flog los. Eva folgte ihm. „Du glaubst mir?“ „Ich sagte doch, ich glaube einiges.“ Die anderen kamen vor ihnen in Sicht. Die Sonnenflügelin erkannte ihre Freunde. Besonders Moonys Gesicht stach aus den anderen heraus. Sie wollte sofort losfliegen, doch Nico hielt sie zurück. „Warte noch, beobachten wir sie noch etwas.“ Eva riss sich los. „Kannst du ja machen, aber ich muss zu ihnen! Sie machen sich Sorgen!“ Dann fiel ihr Blick auf Carina. Raul hielt sie im Arm. Da war es um ihre Fassung endgültig geschehen. Sie hetzte hin, bevor der Grauflügel sie aufhalten konnte. „Verräter!“, zischte sie ihm ins Gesicht. „Carina, was er auch sagt, glaub ihm kein Wort!“ Dafür erntete sie nur teils verwirrte, teils erleichterte Blicke. „Eva!“, rief Moony und umarmte sie. Die Sonnenflügelin erwiderte die Umarmung, wenn auch etwas ungeduldig. Nun kam auch Nico zwischen den Bäumen hervor. „Hallo, Leute…“ „Wer ist das denn?“, fragte Alo. Eva erklärte, was ihr geschehen war. „Er hat mich niedergeschlagen!“, rief sie und deutete auf Raul. Dieser sah sie nur perplex an. „Ich soll was getan haben?“ „Jetzt tu mal nicht so unschuldig!“ „Ich habe keine Ahnung, wovon du redest!“ „Eva“, meinte Carina gefährlich ruhig, „Raul hat nichts gemacht. Hast du mich verstanden?“ Die Sonnenflügelin antwortete nicht, sondern kehrte um, zu Nico. „Entscheidet euch, wem ihr glaubt“, rief sie Moony und Alo noch zu. Eigentlich war es unfair, wie gemein sie zu den beiden war, doch dann verdrängte sie den Gedanken an ihre Freunde. Sollten die doch bleiben, wo der Pfeffer wuchs!

Plötzlich sah Alo, wie an Eva schwarze Fäden hinaufzuklettern versuchten. Wie Ranken wickelten sie sich um sie herum. Doch komischerweise merkte sie ncihts von alldem und flog ungehindert weiter. Leise flüsterte er Moony zu: "Siehst du die schwarzen Ranken auch, die an Eva heraufklettern?" Monny schaute ihn verwirrt an. "Was sagst du da?" Und plötzlich kam Alo der Gedanke, dass er alleine das sehen würde! "Oh mein Gott!", entfuhr es ihm, als er begriff, was da mit Eva passierte. "Was ist denn?" "Sie ist besessen!", flüsterte er heiser.

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Unerwarteter Retter

„Besessen?“ fragte Moony entsetzt. „Eva!“ Doch diese hörte schon nicht mehr. „ich sehe sie auch!!“ schrie Carina plötzlich. „Da schau!!“ Die dunklen Fäden wurden immer breitet und länger… wie...Schatten!!! Immermehr umhüllte der Schatten Eva. Die Freunde starrten Eva an, bewegungslos hingen sie vor ihr. Plötzlich schoss an Moony etwas Rotes vorbei auf Eva zu. Raul! „Nicht du!“ rief Moony ihm hinterher, aber zu spät. Er war schon bei Eva. Fast ganz umhüllt von den Schatten konnte sie sich nicht rühren, nicht mal schreien. Raul riss sie von ihrem Platz und stürzte mit ihr runter. Doch bevor die beiden aufschlugen, hatte Raul Eva schon gepackt und zog sie wieder hoch. Gerade schaffte er es noch sich und Eva auf einem Moospolster fallen zu lassen. Eva wand sich hin und her, ihre helle Fellfarbe war nun ganz schwarz… Moony standen die Tränen in den Augen und auch Cassy und Zack stand das Entsetzen in den Augen. Regungslos hingen sie nur da und schauten zu. Nur Carina ließ sich fallen und stürzte auf Eva und Raul zu. Raul schüttelte Eva und langsam verschwanden die Schatten… Bewusstlos lag Eva neben Raul als Carina bei ihnen landete. Carina fühlte über Evas hellgelbes Fell und spürte das ihre Atmung schnell ging. „Eva...bitte…“ Carina kamen die Tränen. „Eva…Eva!!!“ Carina schüttelte sie sanft. Dann spürte sie wie sich Evas Muskeln anspannten. „Eva..?“ Und tatsächlich öffnete sie die Augen!! „Eva!!!“ Überglücklich umarmte Carina ihre Freundin. Plötzlich waren auch Moony. Alo, Cassy und Zack neben ihr. Carina wandte sich zu Raul um.
„Was..? Du…du hast sie gerettet“ Sagte sie nur und umarmte Raul. Eva musste einige Umarmungen über sich ergehen lassen, bevor sie sich aufrichten konnte und zu Wort kam.
„Was ist passiert? Ich kann mich nicht mehr erinnern.. Das letzte das ich noch weiß war unser Wettfliegen Carina…“ Carina berichtete ihr kurz von Solaria und Raul, aber Eva schien in Gedanken versunken zu sein. Plötzlich tauchte hinter ihnen vorsichtig eine graue Fledermaus auf…
„Eva?“

„Nico.“ Sie lächelte. „Was war denn los?“, fragte er. „Keine Ahnung, den anderen zufolge war ich von den Schatten besessen – oh Mann, du solltest dein Gesicht sehen!“ Sie lachte, Nico verstand nur Bahnhof. Die Sonnenflügelin wandte sich Raul zu. „Dann stehst du also auf unserer Seite?“ Er verdrehte die Augen. „Das sagte ich doch schon die ganze Zeit.“ „Warum hast du mich niedergeschlagen?“ „Weil du sonst die irrsinnigsten Gerüchte über mich verbreitet hättest, deshalb.“ Eva knirschte mit den Zähnen. Sie hörte Moony leise kichern und spürte Carinas scharfen Blick geradezu auf dem Fell. „Dann muss ich mich wohl bei dir bedanken“, murmelte sie. „Und entschuldigen sollte ich mich auch. Du bist echt okay.“ „Schon vergessen.“ Zack räusperte sich. „Für Cassy und mich ist es an der Zeit, in den Dschungel zurückzufliegen.“ Alle wandten sich zu den beiden Wolkenflügeln um. Sie hatten sich bereits mit ihnen angefreundet und sich sehr an ihre Gesellschaft gewöhnt; der Abschied fiel schwer. „Pass auf dich auf, Carina. Ihr alle“, bat Cassy sie und umarmte sie der Reihe nach. Sie sagten sich noch ein paar nette Worte, dann drehten die beiden sich um und flatterten in Richtung Süden. Moony, Eva, Carina, Alo und Raul blickten ihnen noch lange hinterher. Nico dagegen drehte sich in die andere Richtung und entfernte sich ein Stück von ihnen. Er hatte der Sonnenflügelin geholfen, jetzt war sie in Sicherheit und er war vergessen. Man benutzte ihn, wenn man ihn brauchte, dann servierte man ihn ab. Das war immer so gewesen. Und es würde sich nie ändern. Mit einer Träne im Augenwinkel verschwand er zwischen den Blättern.


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Ein Hinterhalt

Keinem fiel es auf. Neue Freunde gewonnen und schon wieder verloren. Plötzlich war ihm, als hörte er eine Stimme in seinem Kopf. Eine weibliche Stimme. Ihm war, als hätte er sie irgendwo schon einmal gehört, aber nicht ganz dieselbe. Eine dieser Fledermäuse, von denen er sich eben getrennt hatte, hatte eine ziemlich ähnliche, fiel ihm ein. Doch der Gedanke entglitt ihm. „Es ist doch wirklich nicht nett von denen, dich plötzlich links liegen zu lassen, oder?“, flüsterte die Stimme. Sie lähmte sein Denken und zog ihn ganz in ihren Bann. Er schüttelte den Kopf. „Na also. Möchtest du mir helfen, diesen undankbaren Fledermäusen Manieren beizubringen?“, schnurrte die Stimme weiter. Und dann flüsterte sie ihm einen Plan ins Ohr, von dem Nico wegen seines verwirrten Geists sofort begeistert war.

Alle waren fröhlich, dass alles wieder beim Alten war. Ganz beim Alten? Eva spürte, dass sich etwas verändert hatte. Es war diese Kälte, die sie spürte. "Ist euch auch so kalt?" Nun spürten es auch die Andern. "Was ist das?", fragte Moony ängstlich und klammerte sich
an Alo. Nebel kam auf. "Wir sollten hier verschwinden!", Carinas Stimme zitterte leicht. "Also los! Eile ist geboten!" Die Fünf kämpften sich durch den immer dichteren werdenden Nebel. Nun sahen sie noch etwa zwei Meter weit. Doch von Sekunde zu Sekunde verschlechterte sichd die Sicht. "Was geschieht hier?" Eva versuchte angestrengt etwas zu erkennen. Schliesslich schaltete sie auf ihr Echosehen um. Und zu ihrem Entsetzen flogen sie direkt in die Falle hinein. "Leute! Das ist eine Falle! Wir sind umzingelt! Es gibt nur einen einzigen Ausweg! Und das ist HINAUF!" Genau, als Eva das Kommando gab, griffen die Nebeltiere von Selene an...

Eva zog sofort nach oben. Noch ein Stückchen, dann wären sie über dem Blätterdach... Doch sie hörte einen Schrei, einen Schrei von Moony! Nur kurz blickte sich die Sonnenflügel um, doch als sie wieder nach oben schaute, war ihr Fluchtweg verschlossen!! Die Nebelschwaden umschlossen sie ganz... Weder mit ihrem Echosehen, noch mit ihrem Augen konnte Eva etwas erkennen. „Los, alle zu diesem Baum!!“ hörte sie Carina rufen. Sie folgte der Stimme und fand erleichtert ihre Freunde. Sie schienen alle heil geblieben zu sein, aber irgendetwas störte Eva in ihren Gesichtern... Moony blickte sich ängstlich um und drückte sich weiter an Alo. Ihr war als hätte sie Schatten im Nebel gesehen. Aber das konnte nicht sein, nein, Schatten im Nebel, ihre Angst musste ihr einen Streich gespielt haben. Ängstlich schaute sie sich um. War da nicht eben doch etwas gewesen? Vielleicht sollte sie die anderen lieber warnen? Aber wenn es nur Hirngespinste waren, wäre sie nur wieder das kleine ängstliche Jungtier. Und das wollte sie nun gar nicht! Also krallte sie sich nur an Alos Fell fest. Plötzlich ging alles so schnell...
Sechs große Schatten lösten sich aus dem Nebel und rasten auf die Freunde zu. Eva erkannte sie sofort, es waren die Vampyrum! General Adriano schoss auf Carina zu und nagelte sie mit seinen Krallen am Baum fest. Bevor Eva und Moony ihr helfen konnten, stieg eine ganz andere Fledermaus aus dem Nebel vor ihnen auf...
„Mami!!!!“ schrie Moony überrascht. Ja, es war ihre Mutter, vor ihnen stand Bella und sie sah nicht gerade freundlich aus...

„Ja, Moony, ich bin es. Und jetzt komm, komm her zu deiner Mami…“, verspottete sie ihre Tochter höhnisch. Moony standen die Tränen in den Augen, sie griff nach Alos Flügel. „Das werde ich sicher nicht! Eher werfe ich mich einem Haufen Vampyrum zum Fraß vor, als nur noch einmal in deine Nähe zu kommen!“, fauchte sie ihre Mutter an. Alo bewunderte sie für all das. Moony war wirklich tapfer, er selbst wäre unter einer Last wie dieser sicher zusammengebrochen. Eva, Carina und Raul hätten ihre Freundin sicher ebenso für ihre Stärke bewundert, doch sie alle waren etwas beschäftigt damit, General Adriano auszuweichen. So war auch Alo der einzige, der bemerkte, dass Moony und Bella durchsichtiger wurden und verblassten...

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48 Stunden

Moony schien sich an ihm festhalten zu wollen. Ihm zerbrach fast das Herz. Er wollte und konnte sie nicht gehen lassen, doch er war machtlos. Während er zusah, wie seine Freundin verschwand, klammerte sich Carina an Adriano fest, um ihn von Eva und Raul abzulenken. „Verschwindet!“, rief sie. „Ich komm klar!“ „Es ist besser, auf sie zu hören!“, flüsterte Raul Eva zu. Diese hatte nur einen verächtlichen Blick übrig. Sie flog auf Adriano zu, um Carina zu helfen. Irgendwie sah es ja witzig aus, wie sie auf seinem Rücken ritt und er versuchte, sie abzuschütteln. Dann, ganz plötzlich, gelang es ihm. Carina flog durch die Luft, und ehe sie die Flügel ausbreiten konnte, prallte sie gegen einen Ast und blieb reglos liegen. „Carina!“ Raul eilte sofort zu ihr hin. Auch Eva versuchte es, doch Adriano versperrte ihr den Weg. Er riss das Maul auf. Sabber troff von seinen Zähnen. Der Mundgeruch war überwältigend. Plötzlich tauchte hinter ihm ein Schatten auf, grau glitzernd. „Nico!“, rief Eva erleichtert. Doch er tat gar nichts. Er sah nur zu. „Nico?“ Eva begriff. „Du steckst mit ihnen unter einer Decke?“ Er nickte langsam. „Es tut mir sehr Leid.“ Während Eva um ihr Leben zitterte, Nico nur zusah, Carina bewusstlos am Boden lag, Raul neben ihr saß und Alo auf die Stelle starrte, wo eben noch seine beste Freundin – nur beste Freundin? – gestanden hatte, musste Moony miterleben, wie Bella sie forttrug von den anderen, weit weg…

"Wo bin ich?" Um Carina drehte sich alles. Tausende von Insekten schwirrten um ihren Kopf herum. Doch eigentlich hatte sie gar keinen Hunger. Plötzlich wurde es hell. Sehr hell! "Solaria!" "Ja, Carina! Ich bin es. Es tut mir Leid, wenn ich dir das sagen muss, aber du bist
tot!" Carina schnappte nach Luft. "Aber...das kann doch nicht! Ich spüre doch..." "Ja, Carina! Am Anfang ist es schwer! Ich lebte auch einmal auf der Erde, aber davon will ich jetzt nicht reden. Es geht mehr um etwas anderes. Du weißt, dass ich kein Leben schenken kann. Aber Hoffnung und Möglichkeiten. Und es gibt eine Möglichkeit, dass du wieder unter den Lebenden Weilen kannst. Du musst die kleine Moonlight retten und Nico. Und auch Raul! Er ist besessen, doch er kämpft dagegen an. Jetzt geh! Ich kann nur zeitbegrenzend Leben schenken. Du hast genau 48 Stunden Zeit. Falls du dies nicht schaffst, wird es zu spät sein..." Solaria verschwamm und verschwand schließlich wieder.

Carina starrte entsetzt auf den Punkt, wo Solaria eben gewesen war… Um sie herum tauchte langsam der Wald wieder auf. Sie war tot. Einfach nur tot. Ihr Leben war in einem kleinen Augenblick einfach weggewischt. Was machte sie also noch hier? Sie lag auf dem Boden. Warum hat Solaria nur wieder zurückgeschickt? Jetzt musste sie zusehen, wie ihre Freunde weiterlebten. Sie stand auf und ah sich um. Sie sah Eva und diesen Grauflügel, und Alo. Moony war nicht zu sehen. Aber was machte das schon für sie? Plötzlich spürte sie eine Kralle auf ihrer Schulter. Sie drehte sich um, und sah in Rauls hellblaue Augen. In Seinem Blick lag etwas.. etwas unwiderstehliches… Bevor sie etwas sagen konnte, bevor sie etwas machen konnte, küsste er sie. Seine Flügel schlossen sich um sie und hielten sie fest. Carina erwiderte den Kuss… Es war ein wunderbares Gefühl. Sie wusste das sie sich zu ihm hingezogen gefühlt hatte, vielleicht war sie ja verliebt…? Dieser Moment, gehörte nur ihr. Dieser Kuss schien anzudauern, als wolle er nie aufhören. Mit dem Kuss kamen ihre Erinnerungen wieder zurück, ihr Auftrag, ihre Hoffnung. Langsam löste sie sich von Raul. Er schaute ihr tief in die Augen. Es war verlockend einfach hier zu bleiben. Doch sie musste ihre Freunde retten. Sie hatte ihr Leben vielleicht verloren, aber Eva und Moony sollte das nicht passieren. Jetzt, wo sie sich eingestehen konnte, Raul zu lieben, konnte sie auch sterben. Es machte ihr nichts mehr aus. Aber wenn es doch eine Möglichkeit gab, wieder leben zu können, sie würde sie ergreifen. Sie schenkte ihm ein Lächeln und drehte sich weg. Sie sah wie Nico langsam und bedrohlich auf Eva zuging. Ihre Freundin rührte sich nicht...


-20-

Die Pyramide

Carina raffte sich zusammen und schlug so fest mit ihren Flügel wie nie. Sie landete direkt zwischen Nico und Eva. „Solaria...steh mir bei!“ flüsterte sie und erinnerte sich an alte Zauberformeln. Sie sagte ihre Formel auf und es schien zu wirken. Nico wand sich vor Schmerzen. Sie spürte wie Eva an ihr hing, wie sie an ihr rüttelte, aber Carina blieb standfest. Sie flüsterte die letzten Formeln. Nico schrie ein letztes Mal auf, doch dann blieb er reglos liegen. Eva kniete neben ihm. „Keine Angst, es geht ihm gut. Er schläft nur. Und jetzt, holen wir Moony zurück“ sagte sie fest überzeugt.
„Solaria! Hilf uns ein letztes Mal!“ Carina sprach eine letzte Formel, und um sie herum, verschwand der Wald, und eine Pyramide tauchte auf…

Eva staunte. „Wie hast du das gemacht?“, flüsterte sie ehrfürchtig. „Nicht ich habe das gemacht. Solaria war es“, erklärte Carina bestimmt. Eva blickte auf Nico hinunter. „Und das war auch sie, richtig?“ Die Wolkenflügelin nickte. „Es wäre nicht anders gegangen, und das weißt du.“ Eva nickte. „Wo sind wir hier?“ Carina zuckte zusammen. Keines der beiden Mädchen hatte gesprochen, Nico war immer noch k.o. Sie wirbelte herum. Das erste, was ihr ins Auge stach, war ein Schimmer feuerroten Haares. „Raul! Was machst du denn hier?“ Ihn hatte sie eigentlich nicht mitnehmen wollen…undenkbar, wenn ihm etwas passierte! „Dir helfen, was denn sonst?“, murmelte er zärtlich, trat auf sie zu und küsste sie erneut. Eva gingen fast die Augen über. „Habe ich vielleicht irgendwas nicht mitbekommen?“ Carina schüttelte den Kopf. Normalerweise hätte sie jetzt gegrinst, doch danach war ihr nun wirklich nicht zumute. „Ist doch jetzt egal, wir müssen Moony retten. Da ist sie drin. Hat jemand eine Ahnung, wie sie da hingekommen ist?“ „Ihre Mutter hat sie mitgenommen. Sie ist immer blasser geworden“, erklärte eine vierte, zitternde Stimme. Alo? Ja, zweifellos war er es. Carina hätte am liebsten durchgedreht. Sie, Moony und Eva, so hatte es doch geheißen. Und die drei Jungen? Die waren in dieser Prophezeiung nicht dabei…oder vielleicht doch? Nun, jetzt war nichts mehr rückgängig zu machen, sie würde Solaria vertrauen müssen. „Helft mir mal kurz“, befahl sie den beiden Männchen. Sie schnappte sich eine Liane und begann, Nico damit zu fesseln. Mit Tränen in den Augen sah Eva dabei zu. Aber sie beherrschte sie. „Okay, Leute“, meinte Carina, als sie fertig waren. „Jetzt passt mal auf, das hier ist der Dschungel, hier bleibt ihr in meiner Nähe, wenn man ihn nicht kennt, kann das eventuell sehr gefährlich werden. Aber solange wir zusammenbleiben, kann uns eigentlich nichts passieren. So, ich muss euch mal was sagen…“ Sie erzählte im Flüsterton, was ihr widerfahren war, und dass sie schon so gut wie tot war. Dabei wirkte sie erstaunlich distanziert, so als ginge sie das alles überhaupt nichts an. Die anderen nahmen sich ein Beispiel an ihr und beherrschten sich, wenn ihnen auch zum Heulen zumute war. Die vier wandten sich der Pyramide zu. „Dann gehen wir da jetzt rein“, meinte Carina in die Runde. Die anderen nickten. „Wir werden dein Leben retten“, flüsterte Raul. „Und das von Moony“, fügte Alo ebenso leise hinzu. „Und wir werden Selene ordentlich in den A…in den Hintern treten!“, rief Eva viel lauter. Ihre entschlossene Stimme machte den anderen Mut. Denn sie wussten es alle. Sie wussten, dass der eigentliche Kampf jetzt gerade erst begann.

Moony setzte sich mühsam auf. "Ah, Miss ist wach geworden!", sagte eine hämische Stimme. "Wieso tust du das?", fragte Moony ihre Mutter. "Ich wollte dich doch retten!" Sie lachte, doch es klang nicht sehr überzeugend. "Ach wirklich? So hat es aber nciht ausgesehen!"
Inzwischen waren die fünf Fledermäuse in der Pyramiede eingedrungen. "Sie sind ganz oben!", flüsterte Carina, die eine Vision von Solaria empfangen hatte, "Ich habe es gesehen." Auch Alo spürte, das Moony ganz in der Nähe war. "Bald bist du wieder bei mir!", dachte er. Eva schleppte, zu Carinas Missgefallen, Nico auf ihrem Rücken mit. Raul nahm Carina zur Seite: "Ich weiss, das etwas mit dir nciht stimmt! Sag es mir!" Carina rang nach Worten.

-21-

Der Verräter

„Weißt du...“ sie atmete tief aus. „Ich habe noch vielleicht 40 Stunden in dieser Welt... Dann muss ich diese Welt für immer verlassen... Es ist schwer hier loszulassen... Aber mir ist klar geworden, das ich euch dieses Schicksal nicht ausbürden will. Ganz besonders dir nicht...“ Carina ging weiter. Die anderen blieben direkt hinter ihr. Hinter einer Kurve, öffnete sich ein großer Raum... „Ich weiß nicht warum, aber irgendetwas gefällt mir hier nicht...“ sagte Eva als sie den Raum betraten.

„Ganz Recht. Ganz so dumm scheinst du ja gar nicht zu sein.“ Eva kannte die kalte Stimme. Es war Bellas. „Du...“ Evas Stimme zitterte fast vor Wut. Carina hatte sie nie so wütend gesehen. „Was denn, was denn? So wütend? Armes Ding. Wollte dich dein Liebster etwa angreifen?“ sülzte Bella. Dann schlug ihre Stimme um. „Adriano.“, sagte sie kalt. Hinter ihr traten fünf Schatten aus dem nichts. In der Mitte, General Adriano, hinter ihm, vier seiner treuen Vampyrum. Auch in Carinas Blick konnte man die Wut lesen. Er war es, der sie umgebracht hatte.

„Aloooo!“ ertönte eine quietschende Stimme. Einer der Vampyrum hielt Moony fest! Jetzt reichet es Alo. Er hatte so viel mit ansehen müssen. Wie Moony weinte, wie sie von ihrer Mutter vorgetragen wurde, aber das würde er nicht zulassen. Er sprang auf den Vampyrum zu, und rammte sich in seinen Bauch. Der Schlag war so heftig, das er Moony losließ. Auch Eva stürmte los, Carina hinter ihr. Eva warf sich auf Moony Mutter, die ihr mit eleganten Bewegungen immer auswich. Carina stürzte auf General Adriano zu. Hämisch sah dieser auf sie herab. „Du schon wieder? Wie lästig!“

„Was denn, ich habe immerhin nichts mehr zu verlieren!“ Carina flog eine scharfe Kurve um ihn herum, krallte sich in sein Fell und biss in seinen Hals. Er zuckte nicht mal zusammen! Carina spürte wie sich seine Klauen um sie legten. Er pflückte sie aus seinem Fell und warf sie an die Wand. Die Schmerzen stiegen bis ins unendliche... Raul stand reglos neben ihr. Doch sie hatte keine Zeit ihn zu beachten. Gerade hatte sie sich aufgerichtet, da bäumte sich General Adriano vor ihr auf...

„Dann werde ich dich eben noch einmal umbringen. Bestell Zotz schöne Grüße von mir!“ Er holte aus. Carina blickte sich um, sie stand in einer Ecke, und es gab keinen Fluchtweg! Ihre einzige Hoffnung war jetzt noch Raul, er stand hinter Adriano.

„Raul!!! Hilf mir!!!“ schrie Carina. Doch er rührte sich nicht. Er blieb wo er war.

„Raul! Raul?“ Seine eisblauen Augen, strahlten eine Kälte aus, die Carinas Hoffnung einfrieren ließ.

„Bring es zu Ende Adriano.“ Sagte er hartherzig. Carina verstand nicht. Da schoss die Klaue auf sie herab... Carina wirbelte durch die Luft. Heftig schlug sie auf dem kalten, dreckigen Boden auf. Raul ging langsam auf sie zu und kniete sich zu ihr runter.

„Warum?“ Ihr standen die Tränen in den Augen. Nicht, von den Schmerzen, die General Adriano ihr zugefügt hatte, nein, weil Herz soeben zerbrochen war...

„Du bist so naiv. Es war so einfach dich hinters Licht zu führen.“ Er richtete sich auf, und ging davon. Carinas Atmung ging schwer. Ihr wurde kalt... Dann spürte sie etwas warmes auf sich. Hände, Evas, Moony Hände. „Nicht Carina, wir schaffen das schon! Was ist mit unserer Revanche? Ich muss dich doch noch im Wettfliegen besiegen!!“ Eva weinte. Sie versuchte ihre Freundin zu retten. Doch man konnte ihr ansehen das sie im Sterben lag. Ihre Körperhaltung, ihr Blick... Aber sie wollte nicht aufgeben! Auch Moony kniete neben ihr, und versuchte Carina gut zuzureden.

„Ihr wart die besten Freunde die ich je hatte...“ Carinas Stimme klang schwach und müde. „Ich werde euch nie vergessen... Alles...“ Dann verstummte sie für immer. Ihr regloser, kalter Körper lag an diesem verfluchten Ort. Evas Trauer war wie weggeblasen. Nie war sie so entschlossen gewesen.

-22-

Der wahre Gegner

Nico versuchte verzweifelt sich zu befreien, doch es gelang ihm nicht. Plötzlich wurde Eva an die Wand gedrängt. "Sag Lebwohl!", meinte Raul hämisch grinsend. Nico hatte Angst. Angst um Eva und dieser Gedanke verlieh im Teufelskräfte. Er sprengte seine Fesseln, nahm alle seine Kräfte zusammen und schlug Raul mit einem herumliegenden Knochen und mit
solcher Wucht, das es knackte, auf den Kopf. Raul schrie, taumelte, drehte sich aber trotzdem noch um. Er wollte schon zuschlagen, als ihn ein zweites Mal, innerhalb kürzester Zeit ein Knochen traf. Blut spritzte und er stürzte ein letztes Mal. "Lebwohl!", meinte Eva trocken und umarmte Nico. Sie wäre zu gerne noch länger in seinen starken Armen gelegen, doch der Gedanken an Moony und Carina brachte sie wieder auf Hochtouren. "Komm!" Sie schnappte sich den Knochen und ging hinterrücks auf Adriano los. Auch er schnappte ein letztes Mal
nach Luft und stieß hervor: "Du schon wieder! Du kleine, miese Ratte!" Dann schlief auch er für immer ein. Nun stand nur noch Bella im Weg.

„Wenn ihr denkt ihr könntet mich so besiegen, habt ihr euch geirrt...“ Ohne sie zu beachten, ging Eva auf Bella los. Sie holte aus und... eigentlich hätte der Knochen Bella treffen müssen, aber er glitt einfach durch sie hindurch!

„Du dummes, dummes Mädchen. Ich habe dir ja gesagt, das ich nicht zu besiegen bin.“ Ihr Grinsen ließ die Wut nur weiter in Eva aufsteigen. Sie war fast blind vor Wut. Bella lachte hinterhältig. Ja, das war es was sie wollte. Umso wütender diese dumme Göre war, umso leichter zu besiegen. Jetzt stand auch Moony neben Eva.

„Du... ich habe versucht dich zu retten, ich habe um dich getrauert... wegen dir musste Carina sterben...“ Moonys Stimme zitterte vor Wut.

„Eva! Ihr müsst sie auf einem anderen Weg besiegen! Die Macht, die Moonys Mutter hat, kommt einzig und allein von Selene!“ Es war Nico. „Ich bin mir sicher! Sie hat mich kontrolliert...ich habe es gespürt!“ Das war es! Eva fiel es wie Schuppen von den Augen! Ihr Göttin verlieh ihr die Macht! Es war Selene gegen die sie kämpfen mussten! Aber sie waren nicht allein. Das wusste sie. Auch sie hatten eine höhere Macht auf ihrer Seite, Solaria. Plötzlich spürte sie etwas warmes auf ihrer Schulter. Durch das kleine Loch in der Decke fiel ein Sonnenstrahl in den Raum.

Bella zuckte zurück. Sie krümmte sich, als hätte sie Schmerzen, und hielt sich die Flügel vor die Augen. Keine Fledermaus mochte Sonnenlicht, Bella aber schien es geradezu zu verabscheuen. In Moony regten sich gemischte Gefühle. Einerseits war sie glücklich, endlich in der stärkeren Position zu sein, andererseits zerbrach etwas in ihr, als sie ihre Mutter leiden sah. Sie blickte zu Eva. Diese schien nicht einmal wirklich zu wissen, was sie tat, sie tat es einfach. Scheinbar war sie sich völlig sicher, dass Solaria ihnen helfen würde. Moony wünschte sich, sie hätte diese Gewissheit ebenfalls gehabt. Ihre Freunde waren Eva, Nico, Alo Solaria und Carina…gewesen. Aber trotzdem…irgendwie hatte sie immer noch das Gefühl, eigentlich zu Bella und Selene zu gehören. Das hatte sie ja auch getan, ihre ganze Kindheit lang. Sich umzustellen, war so schwer…auch, wenn es das eigentlich nicht sein durfte. „Moony!“, schrie ihre Mutter. „Wenn du mich wirklich liebst und wirklich um mich getrauert hast, dann kannst du das jetzt beweisen! Rette mich, rette Selene…mach das Sonnenlicht weg!“ Ihre Stimme klang heiser. „Nein!“, rief Eva erschrocken aus. „Das wirst du doch nicht, Moony, oder…oder?“

-22-

Entschieden

Sie blickte ihr tief in die Augen. Moony war hin- und hergerissen. Familie? Oder Freunde? Sie hätte später nicht sagen können, ob das alles ihre Gedanken waren oder ob Selene bis zu einem gewissen Grad die Hand im Spiel hatte. Es machte auch nicht viel Unterschied. „Moonlight!“, hörte sie plötzlich eine Stimme, die sie an Wärme und Licht erinnerte. Solaria. „Es liegt bei dir. Es liegt in deiner Hand. Beende es.“ „Das würde bedeuten, deine eigene Göttin zu verleugnen!“ Selene? Ja, sie war es. In Moonys Kopf stritten die Stimmen der beiden Göttinnen, während sie die durchdringenden Blicke Evas und Bellas geradezu auf der Haut spürte. Und sie wusste, jetzt lag es an ihr. Alles lag jetzt in ihrer Hand. Aber was sollte sie tun? Was? Plötzlich spürte sie, wie sich warme Flügel von hinten um sie schlossen. „Ich bin sicher, du wirst das richtige tun, Moony…“ Es war Alo. Moony blickte auf Carina hinunter, die aussah, als würde sie schlafen, und mit einem Mal war ihr alles klar. Sie hatte sich für eine der beiden Seiten entschieden, schon vor einer Ewigkeit, und dieser Seite würde sie nun auch beistehen, bis zu ihrem Tod wenn nötig… Sie drehte sich zu den anderen um.

"Es tut mir Leid! Aber ich kann nicht anders!" Sie reichte ihrer Mutter die Hand und zog sie direkt ins Sonnenlicht. In Moonys Kopf schrie Selene! Auch Moony schrie. Dann sah sie auf ihre Hand und bemerkte eine schwarze Flüssigkeit. Zurück blieb etwas weisses, schillerndes. Die Seele ihrer Mutter! "Moony! Alles okay?", fragte Eva. Sie nickte benommen. "Was habe ich getan? Habe ich meine eigene Mutter zerstört?" "Nein, Moony, ich lebe. Du hast mich erlöst! Ich danke dir." Die Seele fing an zu sprechen. Eva und die andern zuckten zusammen. "Vor langer Zeit schon, lange bevor du geboren wurdest, wurden wir von Selene übers Kreuz gelegt. Wir waren nicht immer Fledermäuse, weisst du! Wir waren einmal Menschen! Mit dem Wunsch, Fledermäuse zu werden. Frei von Sorgen und Ängste. Nur getrieben durch den Wunsch übersahen wir das Angebot von Solaria und, machthungrig wie wir waren, nahmen das teuflische von Selene an. Sie schenkte uns Leben, doch unter der Bedingung, ihr alle Seelen, denen sie Leben schenkt und geschenkt hat, zu opfern! Fortan waren wir verflucht.
Der Fluch überdauerte Jahrhunderte. Und auch jetzt ist er noch nicht gebrochen worden. Erst wenn jede einzelne der Seelen zurückgezahlt wurde, sind wir erlöst! Aber du konntest wenigstens einen Teil von Selene vernichten. Ich spüre, dass sie noch lebt! Schwach, aber
immerhin. Und nun geh. Hinaus in die weite Welt mit deinen Freunden!" Moony standen Tränen in den Augen, als sie ihre verblassende Mutter ein letztes Mal umarmte. "Leb wohl!", das würde für lange Zeit, dass letzte sein, dass Mutter und Tochter zueinander sagen würden.

Bevor Eva ihre Freundin in den Arm nehmen konnte, verschwamm das Bild um sie herum. Der gelbe Stein der Pyramide verblasste und als wenn Nebel sich lichten würde, tauchte um sie herum ein Wald auf. Ihr Wald. Sie waren zurück. Es war vorbei. Einen Moment standen die Freunde nur da und sahen sich an. Sie brauchten einen Moment um zu verstehen. Moony war die erste die sich regte. Sie fiel Alo um den Hals und küsste ihn vor Freude. Moony zuckte zurück und wurde rot. Sie hatte ihn geküsst! Doch Alo lächelte nur, nahm sie in den Arm und erwiderte ihren Kuss. Auch Eva umarmte Nico vor Glück. Sie sahen sich einen langen Moment an. Eva wusste nicht was sie tun sollte. Sie war nicht so wie Moony... sie traute sich einfach nicht ihn zu küssen. Sie rang nach Worten, aber fand nicht die richtigen. Resignierend drehte sich Eva weg. Was hatte sie da nur wieder getan? Sie hatte gerade den perfekten Moment verpasst! Warum hat sie es nicht einfach realisieren könne, und ihn einfach küssen können! Aber es war nicht einfach gewesen. Da spürte sie, wie sich eine Hand um ihren Arm schloss und sie zurück zog. Eva drehte ihren Kopf, und war Nico plötzlich so nah wie nie. Sie vergaß alles um sich herum. Dann küsste er sie. Ohne zu wissen was sie tat erwiderte sie seinen Kuss, und war so glücklich wie nie zuvor.

 

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