///Perfektion***

Elfenstadt

I – Das Amulett

 

Mit grossen Augen beobachtete ich meine Mutter, wie sie sich selbst im Spiegel betrachtete. Ihr schwarzes Samtkleid schimmerte silbern.
„Du siehst toll aus“, sagte ich und lächelte.
„Danke.“ Meine Mutter erwiderte das lächeln und gab mir einen Kuss auf die Wange. Gespielt genervt rollte ich die Augen, ohne dabei das lächeln zu verlieren. Ich sah auf die Uhr. Sechzehn Uhr.
„Wir sind bald wieder da.“ Klick-klack, klick-klack … so klang es immer, wenn sie ihre Stöckelschuhe anhatte und damit rum lief. Ich konnte mir absolut nicht erklären, wie sie es in diesen Spitzen, hohen Dingern nur aushalten konnte.
Mein Vater kam gerade aus dem Bad. Er trug seinen schwarzen Anzug und seine Lackschuhe. Jacken brauchten sie nicht, es war warm genug. Und ausserdem fuhren sie sowieso mit dem Auto.
„Klack“ machte es, als meine Mutter den Schlüssel umdrehte.
„Bis dann.“
„Bis dann.“
Paps zwinkerte mir noch zu, dann verschwanden sie und die Tür schloss sich wieder. Ich ging ins Wohnzimmer und setzte mich aufs Sofa. Sie fuhren zu einem Fest. Warum ich da bleiben musste, wusste ich nicht. Ob ich sie wohl hätte überreden können, das ich mitkommen darf?, überlegte ich.
Brummm!
Ich sah auf.
Brummm!
Hastig ging ich ans Fenster. Sie fuhren gerade aus meinem Blickfeld. Seufzend liess ich mich wieder nieder. Aufmerksam betrachtete ich die Pflanzen, die hier standen. Als mir kalt wurde, nahm ich mir eine Decke, kuschelte mich rein und schnappte mir ein Buch. Bis sie wieder zurückkamen, würde ich mir schon irgendwie die Zeit vertreiben.
Immer wieder sah ich auf die Uhr. Eine Stunde verging, dann zwei, drei … Schliesslich war es Acht Uhr abends. Wahrscheinlich lassen sie sich Zeit, immerhin ist ein Fest doch dafür da und nicht dafür, das man rumhetzt, dachte ich und las weiter.
Um neun stellte ich den Wecker ab, der mich gnädigerweise geweckt hatte, nachdem ich eingeschlafen war. Ich legte die Decke und das Buch beiseite und fragte mich langsam ernsthaft, wo Ma und Paps blieben. Gelangweilt griff ich nach der Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein. Ich zappte durch die ganzen Sender, als die Nachrichten mich zum inne halten brachten.
„... die Frau ist tödlich verletzt, ihr Mann ist sofort gestorben.“
Die Stimme wurde durch ein mehrmaliges Klopfen unterbrochen. Unsicher schritt ich hin.
„Ja?“, fragte ich laut.
„Hier ist die Polizei. Wir wollen nichts, bitte mach auf.“
„Einen Moment bitte.“ Ich holte einen Stuhl aus der Küche, stellte ihn vor die Tür und mich drauf und sah durch den Spion. Ja, es waren tatsächlich Polizisten. Ich räumte den Stuhl wieder weg und öffnete die Tür mit meinem eigenen Schlüssel. Die Polizisten sahen Ernst aus, aber in ihren Augen schimmerte Trauer. Panik schoss in mir hoch, ich schüttelte den Kopf.
Einer der insgesamt drei Polizisten nahm meinen Arm. „Komm mit, wir müssen reden.“

~Emily~ 

 

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